Anstelle Paul

Anstelle Paul

Haloa!

Ich war spazieren. Mal den Kopf frei machen. Es schneegrieselte ein wenig und ich hing meinen Gedanken nach. Eigentlich wollte ich während der Adventszeit hier im Blog von Paul erzählen, aber warum alte Geschichten aufwärmen? Liest ohnehin niemand, dann lieber Jahresendgedanken.

Fakt ist, der Zugriff auf meine Beiträge nimmt kontinuierlich ab und Kommentare werden fast nur noch von Spammern hinterlassen. Es mag am Überangebot, der Qualität, an der Themenauswahl bzw. deren Aktualität und Aufarbeitung oder einfach nur an der fehlenden Verschlüsselung liegen. Ausreichend Raum für Spekulationen die mich jedoch nicht weiterbringen.

Spulen wir daher einfach zum Jahresende vor, denn Zwanzigsiebzehn ist ja quasi rum.

2017, für Cacher Quersumme 10 bzw. einstellig 1. In Buchstaben BAG, also Beutel und gebeutelt wurden wir alle, der eine mehr, der andere weniger. Schlimm, wenn es gesundheitlich ist – vieles andere kann man verkraften.

Mit dem Alter kommt die Weisheit, wird behauptet. Doch ich merke immer wieder, dieses Altern macht nicht weiser sondern lediglich greiser. Und lustloser, insbesondere wenn man die falschen Prioritäten setzt. Man befindet sich einerseits in der Komfortzone andererseits aber auch in einem Teufelskreis. Immer dasselbe, nichts wirklich neues, Tag für Tag, Monat für Monat. Und der Kreis trügt, denn tatsächlich ist es eine Resignationsspirale, die nach unten führt, wo auch immer das sein mag. Nicht dass man es an vielen Kleinigkeiten merken könnte, aber hey – es ist immer noch die Komfortzone. Alles wie immer. Alles gut. Wieder ein Jahr geschafft. Wieder ein Jahr näher an der Kiste. Vielleicht mangels Bewegung auch zwei.

Selbstverständlich war das Jahr nicht komplett trist und eintönig. Da waren Kurztrips, Urlaub, ein paar Erlebnisse; wenige Tropfen auf heißem Wüstensand, schneller verdampft als versickert. Kleine Fluchten. Irregularitäten im Ablauf, Bremsspuren auf der Spirale, kurzzeitige Ausschläge auf der Nulllinie. Ansonsten alles wie gehabt, während die Zeit verrann und das Jahr in die ach so besinnliche Endphase eintrat.

Da sind wir nun. Besinnlich, manch einer besinnungslos, weil er weder besinnen kann noch will. Darauf einen Glühwein, denn in vino veritas. Die Kerzen brennen, diverse Lampen auch.

Früher konnte man noch gemütlich bei klirrender Kälte auf dem Weihnachtsmarkt am Glühweinstand der freiwilligen Feuerwehr stehen. Der heiße Glühwein wärmte wohlig durch die Handschuhe die Hände. Bratapfelduft lag in der Luft, während leichter Schneefall einsetze, damals ™. Erinnerungen.

Heute mit leichter Jacke im überfüllten Gedränge einen Glühwein erhaschen? Diesen nach Geschubse erstmal auf einem Amokverhinderungsbetonklotz abstellen, um die Hände abzutrocknen? Kein Schnee? Auch Frau Holle scheint zu alt für diesen Shyce. Da mache ich mir den Glühwein doch lieber gleich im heimeligen Häuschen in der Kasserolle warm. Spart Hin- und Rückweg und vermeidet Flecken sowie herpes labialis.

Heut’ eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Oder wahlweise der Paket-/Liefer-/Not-/Pflegedienst.

Naja, fast. Zuvor „Dönern aufs Christkind“ – obwohl nein, das fällt dieses Jahr wohl aus. Cacht der ursprüngliche Initiator überhaupt noch? Oder joggt der jetzt nur noch, wie einige andere? Viele haben, wie ich hörte, umgesattelt und gewichtstechnisch abgenommen. Neues Hobby, neues Glück.

Überhaupt Events! Wo man früher bis Mitternacht saß, ist um zehn Uhr Schluss. Worüber soll man auch noch reden? Es ist schon alles gesagt. Von immer den selben Leuten an immer denselben Orten. Inflationär an mehreren Stammtischen im Monat. Ein schneller bequemer und leckerer Punkt. Die Wampe wächst. Vielleicht doch lieber joggen? Kaum gedacht, spürt man die Intervention des inneren Schweinehundes aus der Komfortzone.

Kann man Schweinehunde eigentlich essen? Falls ja, wie schmecken denn die?

Ich schweife ab. Zurück zum Jahr, zurück in die alten Muster, zurück in den gewohnten Trott. Plötzlich versteht Mann die „Lebensmittekrise“. Innerlich glimmt irgendwo der Funke zur längst überfälligen Veränderung. Etwas Zunder drauf, sanft pusten, das erste zarte Flämmchen hegen und pflegen, etwas mehr Nahrung, bis das Feuer lichterloh brennt. Wunschdenken, denn wo’s in der Komfortzone glimmt, uriniert der innere Schweinehund. Funke aus, alles wie immer.

Und so vergeht das Jahr mit Feuerwerk, und man hält sich ein paar Stunden an guten Vorsätzen fest. Der Schweinehund weicht wissend dem Mut zur Veränderung und lässt sich wegsperren ins Gehege, das heißt hinter den Elektrozaun. Man wähnt sich in trügerischer Sicherheit, richtet sich neu aus, beginnt euphorisch und wenige Tage später ist der Akku leer. Der vom Zaun wohlgemerkt. Und urplötzlich findet man sich in der guten alten Komfortzone wieder, den Schweinehund sanft hinter den Ohren kraulend. Vergessen sind Vorsätze, Pläne und Wünsche. Gründe gibt’s genug. Ausreden auch, willkommen auf dem leichten Weg. Immer geradeaus, bloß nicht abweichen.

Sofern man’s erlebt, bis ein weiteres Jahr rum ist, denn die Einschläge kommen merklich näher. Endlich Silvester, endlich kommt Freddie vorbei. Nicht der Krüger sondern der Frinton. Gleich nach Ekel-Alfreds unvergessenem Silvesterpunsch. Same procedure as every year. Wieder ein Jahr geschafft. Wieder ein Jahr näher an der Kiste. Vielleicht mangels Bewegung auch zwei, Couch und Verblödphone lassen grüßen. Und wenn’s in der Virtualität nicht passt, geht’ s einfach mit neuem Leben zurück auf Anfang.

Zugegeben, das liest sich, wie frisch in der Vorweihnachtsdepression, so ist es aber nicht. Es gibt nur kein Hurra auf die Scheinwelt. Absurd, wenn im Radio fortwährend geheult wird, „das ist Dein Leben, das ist, wie Du lebst“, wärend alle nur noch immer und überall erreichbar aufs neueste Endgerät starren.

Damit kann man glücklich und zufrieden sein, aber muss man es auch? Klar, man kann den liebgewonnenen, wenngleich toten Gaul auf ewig weiterreiten. Oder man steigt ab. Dann macht man ein Feuerchen und kocht sich seinen Schweinehund. Vielleicht in Rotweinsoße. Was danach kommt? Ich weiß es nicht. Aber es ist allmählich Zeit.

In diesem Sinne
frohes Fest und guten Rutsch

TJ.

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