Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher

Haloa!

Verschiedene Veranstaltungen in der Vergangenheit haben eines gezeigt – die meisten Probleme zwischen Jägern/Förstern/Waldbesitzern und Geocachern beruhen auf Unkenntnis der Gegebenheiten auf der „anderen Seite“.

Dosenleger und –sucher haben die geocachespezifische Terminologie relativ schnell verinnerlicht und wissen innerhalb kürzester Zeit bestimmte Anglizismen zu deuten. Ob es Cache, Owner, oder TFTC ist – sie wissen um dererlei Dinge und machen selbst vor BYOP oder, wie kürzlich in einem Podcast gehört, BYOW nicht halt.

[Anm.: BYOW = „Bring Your Own Wurst“ aus einem Listing eines Grillevents.]

Mit Begrifflichkeiten wie „Dickung“, „Kirrung“, „Niederwald“ oder „Äsungsfläche“ wissen sie hingegen vielfach nichts anzufangen, während Worte wie „Hochsitz“ „Gelege“, „Keiler“, „Bache“ und „Frischlinge“ den meisten wiederum geläufig sind.

Solange der geneigte Geocacher sich nun ausschließlich tagsüber auf den Wegen bewegt und seine Dosen ebenfalls dort platziert, gibt es i.d.R. keine Probleme mit Jagd, Forst und Naturschutz. Leider würde dies aber auch die Vielfalt unserer Freizeitbeschäftigung derart einengen, dass vieles nicht mehr möglich wäre. Weicht er deshalb davon ab, kann es möglicherweise zu Problemen kommen und auch gut gemeintes Halbwissen schützt oft vor Unmut nicht.

So legte ein Cacher, im guten Glauben, das Richtige zu tun, die Nachtcachedose nicht ins Dickicht, (weil er gehört hatte, dass sich dort das Wild aufhält) sondern unter eine Wurzel auf einer Waldwiese. Was er nicht wusste, ist, dass es sich um eine so genannte „Äsungsfläche“ handelte – quasi den Küchentisch des Wildes. Auf Grund der erhöhten nächtlichen Suchfrequenz suchte das Wild diese (übrigens in diesem Fall sogar extra dafür angelegte) Fläche nicht mehr auf.

[Anm.: Ich weise nochmals darauf hin, dass ich kein Jurist bin. Alle Angaben sind grundsätzlich ohne Gewähr und entbinden den Leser im Zweifelsfall nicht von eigenen Recherchen zum Thema.]

Nachdem ich rechtliche Grundlagen rudimentär betrachtet habe, gehe ich davon aus, dass die Dosensuche juristisch nicht als „vernünftiger Grund“ für Störungen oder Beschädigungen angesehen werden wird. Darum sollte man sowohl beim Verstecken der Dose als auch bei der Suche die Belange des Natur-/Wald-/Arten- und Jagdschutzes beachten.

Allerdings glänzen die zu beachtenden Gesetzestexte durch eine größere Anzahl Begrifflichkeiten, die dem ein oder anderen Leser in ihrer Bedeutung ggf. unbekannt sein werden.

Was sind z.B.:

  • (Forst-) Kulturen
  • (Forst-) Dickungen
  • Saatkämpen
  • Pflanzgärten
  • forstwirtschaftliche Einrichtungen
  • jagdliche Einrichtungen
  • imkerliche Einrichtungen
  • teichwirtschaftliche Einrichtungen
  • schutzwürdige Interessen
  • wildlebende Tiere
  • Lebensstätten
  • Zuflucht-/ Nist-/Brut-/Wohnstätten
  • streng-/geschützte Arten ???

In der Produktsicherheit, im Maschinenbau und einigen anderen Bereichen hat sich der Begriff „Vernünftigerweise vorhersehbare/r Fehlbenutzung/ Fehlgebrauch“ durchgesetzt.

Diesen Aspekt sollte man beim Auslegen eines Caches in ähnlicher Form berücksichtigen – ich nenne ihn „Vernünftigerweise bzw. erfahrungsgemäß vorhersehbarer Suchschaden“.

Beispiel: Der Tradi liegt direkt am Weg, man kann ihn über einen ca. 500 Meter langen Weg, der in einem weiten Bogen bergauf verläuft erreichen. Alternativ sind es ca. 30 Meter steil durch eine Neupflanzung, deren Betreten allerdings verboten ist und somit Konfliktpotential besitzt.

Vernünftigerweise vorhersehbar ist nun (erfahrungsgemäß),

  • dass FTF-Jäger, Zeit-ist-Cache-Mentalisten oder Unwissende u. U. den verbotenen kurzen Weg durch die Neupflanzung nehmen werden.
  • dass ein diesbezüglicher Hinweis im Listing vielfach nicht beachtet werden wird, da Tradi-Listings meist nicht gelesen werden.
  • dass ein kurzer Tradi stark frequentiert werden wird.

Was könnte man also tun um mögliche Probleme im Vorfeld zu vermeiden? Nun, beispielsweise die Stelle nicht als Tradi sondern als Mini-Multi bedosen; mit ein, zwei Stationen am Weg. Dadurch würde die Wegführung zunächst für den Hinweg bestimmt und niemand käme auf den Gedanken, durch die Neupflanzung abzukürzen. Doch was ist mit dem Rückweg? Reicht ein überdimensionaler Hinweis in der Dose oder legt man sicherheitshalber doch einen Bonus-Mystery in die Spitzkehre des Rückwegs, um auch für den Rückweg die vernünftigerweise vorhersehbare Querung der Neupflanzung auszuschließen?

Die Auslage der Dose sollte folglich wohl überlegt sein, will man mögliche Probleme und späteren Ärger im Vorfeld vermeiden.

[Übrigens, es handelt sich bei obigem Beispiel um ein aktuelles Problem, welches ein Revierbesitzer auf der Jagd & Hund ansprach. Ihn störte nicht die an einem schönen Aussichtspunkt gelegene Dose sondern er fand sogar gut, dass der Ort auf diese Weise publik wird. Er bemängelte lediglich, dass Cacher bislang sehr oft (durch eine Dickung) abkürzten.]

Langer Rede kurzer Sinn:

Unter dem Titel

„Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher“

erlaube ich mir, in unregelmäßigen Abständen auf verschiedene Begrifflichkeiten aus Jagd und Forst einzugehen, sie ggf. mit Fotos zu garnieren und zu versuchen, zu erläutern, warum bestimmte Stellen im Revier für unser Hobby ungeeignet (weil konfliktträchtig) sind. Sollte ich dabei Fotos realer Funde (anonymisiert) als Beispiel verwenden, möchte ich an dieser Stelle darum bitten, keine GC-Nummern, Cachebezeichnungen oder Koordinaten in die Kommentare zu setzen. Diese Serie ist kein öffentlicher „Pranger“ sondern soll lediglich Interessierten eine Hilfestellung zum gegenseitigen Verständnis und zur Konfliktvermeidung sein. Sollte jemand Fotos wieder erkennen und/oder das Bedürfnis haben, einen Cache sachlich kritisieren zu müssen (was ich begrüße), möge er das bitte mittels Note oder NA-Log auf der entsprechenden Seite oder via Mail an Owner/Reviewer tun.

Verbesserungsvorschlägen, sachlicher Kritik und zielführenden Problemlösungen bin ich hingegen aufgeschlossen.

Gemeinsam mit dem Jäger/Förster/Besitzer im Vorfeld die geplante Dose zu besprechen, ist m. E.  immer noch die beste Methode um Ärgernissen generell aus dem Weg zu gehen.

4 Gedanken zu “Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher

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