Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 03

Verschiedenes

[Anm.: Dieser Beitrag ist Teil einer Beitragsserie, die HIER erläutert wurde.]

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf folgenden Passus der Guideline hinweisen:

2. You assure us that you have the landowner’s and/or land manager’s permission before you hide any geocache, whether placed on private or public property.

By submitting a cache listing, you assure us that you have adequate permission to hide your cache in the selected location.“ Hier nachzulesen.

Das bedeutet im Klartext, dass der Cachebesitzer sich vor Auslage seines Caches und ggf. dazugehöriger Stationen eine jeweilige Erlaubnis sowohl für das Platzieren als auch die nachfolgende Suche durch andere Personen zu beschaffen hat.

Das er im Besitz dieser Erlaubnis ist, bestätigt er bei Absendung des Listings durch ein entsprechendes Häkchen.

Soweit zur Theorie.

In der Praxis sieht das leider anders aus. Die nachfolgenden Beispiele listen Orte, an denen die Platzierung eines Caches (/einer Station) ohne Erlaubnis meist für Ärger sorgt:

 

Beklettern von Bäumen

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • ein Baum für den Eigentümer einen Sachwert darstellt. Die Spanne ist groß und reicht von Brennholz bis zum Furnierholz. Bei letzterem kann der Wert eines laufenden Meters schon mal mehrere tausend Euro betragen; nach einer (Sach-) Beschädigung ggf. nur noch dem von Brennholz. Das muss kein Eigentümer dulden.
  • Bäume in Stadtgebieten oftmals aus Sicht der Anlagensatzung als Gestaltungsbestandteil angesehen werden. Genaueres regelt ggf. die örtliche Baumschutzsatzung. Das Erklettern von Bäumen ist i. d. R. eine “zweckfremde Nutzung”. Anders als im Wald besteht hier jedoch eine Verkehrssicherungspflicht; d. h. die Stadt muss sicherstellen, dass z. B. Fußgänger nicht von herab fallendem Totholz verletzt werden. Beschädigungen beim Beklettern können jedoch dazu führen, weshalb Städte und Kommunen das Beklettern möglicherweise nicht gestatten.

Anm.: Der Irrglaube, es genüge, den Suchern erklären zu können, wie sie den Cache bergen sollen (z.B. mittels Leiter) hält sich nachhaltig. Erfahrungsgemäß nutzt ein Geocacher das, was ihm an Ausrüstung zur Verfügung steht und wer, um beim Beispiel zu bleiben, ein Seil und/oder Bandschlingen besitzt, wird sich vermutlich keine Leiter organisieren und diese ggf. in den Wald schleppen.

 

Beklettern von Masten, Schildträgern, Straßenlaternen und Litfasssäulen

DSC01037-Laterne
PETling an Laterne

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • Masten, Schildträger, Straßenlaternen, Litfasssäulen in Deutschland üblicherweise privates oder öffentliches Eigentum sind. Die Festlegung der Nutzung obliegt dem Betreiber, der das Beklettern durch Betriebsfremde nicht dulden muss und i. d. R. auch nicht duldet. Stattdessen kann ein unerlaubtes Beklettern und eine dadurch entstehende Beschädigung sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
  • Masten, Schilder und Straßenlaternen zudem Gefahren für Leib und Leben bergen können. Zuweilen ist die Statik zum Beklettern nicht ausreichend (Sturz) und/oder Sicherheitsabstände werden unterschritten (Strom). So sind bei Freileitungen bis 1000 V 1m Sicherheitsabstand einzuhalten, bei 1000 – 110000 V sind es 3m und bei unbekannter Spannungslage sogar 5m, möchte man nicht riskieren, durch einen Spannungsüberschlag (Lichtbogen) zu Schaden zu kommen.

 

Kanalisation

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Kanalisation

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • Kanäle, Wasserführungen und Tunnel in Deutschland üblicherweise privates oder öffentliches Eigentum sind. Die Festlegung der Nutzung obliegt dem Betreiber, der den Zutritt durch Betriebsfremde nicht dulden muss und i. d. R. auch nicht duldet. Stattdessen kann ein unerlaubtes Betreten sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
  • Abwasserkanäle zudem Gefahren durch z. B. Keime und Faulgase bergen; letztere können ggf. ohne entsprechende Warn-/Schutzausrüstung zum Erstickungstod führen.

 

LostPlace

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LostPlace

Gern werden verlassene Gebäude und deren umliegende Grundstücksflächen bedost, weil sie einen besonderen Reiz ausüben.

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • deren Betreten jedoch als Hausfriedensbruch zur Anzeige gebracht werden kann, was bereits mehrfach geschehen ist.
  • dnsb. Industrieruinen zudem oftmals Gesundheitsgefahren durch Altlasten von Gefahrstoffen (z. B. Asbest, Schimmelpilze,…) bergen

 

Brief-/Postkästen

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • ein Brief-/Posteinwurfkasten ist Eigentum der Post ist und bestimmungsgemäß zur temporären Aufbewahrung zu befördernder Post dient

 

Reitweg

Reitwege (Zeichen 238 StVO) – Ge- oder Verbot

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • Reiter und Führer eines Pferdes nicht die Fahrbahn benutzen dürfen, sondern den Reitweg benutzen müssen (Reitwegbenutzungspflicht).
  • Andere Verkehrsteilnehmer ihn nicht benutzen dürfen.
  • falls anderen Verkehrsteilnehmern durch Zusatzzeichen die Benutzung des Reitweges erlaubt ist,  Fahrzeugführer auf Reiter Rücksicht nehmen und erforderlichenfalls die Geschwindigkeit an den Reitverkehr anpassen müssen.

Info: http://www.gesetze-im-internet.de/stvo/anlage_2_64.html

 

Kreisverkehrinnenflächen ohne Fußweg

P1040803-Kreisel

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • Fußgänger lt. § 25 Abs. 3 StVO Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten haben, und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen oder auf Fußgängerüberwegen (Zeichen 293). Wird die Fahrbahn an Kreuzungen oder Einmündungen überschritten, so sind dort angebrachte Fußgängerüberwege oder Markierungen an Lichtzeichenanlagen stets zu benutzen.

 

Gambionen & Trockenmauern

DSC01264-Gambionen

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • Gabionen bei der Suche schon oftmals beschädigt wurden
  • Gambionen als Lebensräume für geschützte Arten dienen.
  • Verstecke an solchen Mauern dazu führen, dass durch die Sucher Steine herausfallen und Gitterstäbe verbogen werden (Sachbeschädigung)

 

Brücken von Autobahnen, Bundesstraßen, Schiffahrtsstraßen

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • möglicherweise Sicherheitsbedenken bestehen.
  • Geocaches nicht in Gebieten mit genehmigungspflichtigen oder verbotenen Zugang, sowie an anderweitig unangemessen Orten gelegt werden.
  • die Nähe zur öffentlichen Infrastruktur auch lt. Guideline problematisch sein kann. Es gab in Deutschland schon diverse Polizeieinsätze an derartigen Orten. Bedenke bitte die Folgen, wenn unbeteiligte Personen hier Cacher und deren Treiben beobachten. Die Polizei ist verpflichtet, Sicherheitsbedenken auszuräumen und könnte eventuell versuchen, anfallende Kosten dafür umzulegen.

2 Gedanken zu “Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 03

  1. Guten Morgen!
    Ich habe diese Trilogie gerade mit Interesse gelesen und muss zugeben, dass ich (zumindest als recht frischer Cacher-Newcomer) an so einiges noch gar keinen Gedanken verloren habe.
    In Zukunft werde ich wohl mit offeneren Augen durch den Wald (oder eben deswegen nicht?) tapern. 😉
    Vielen Dank für die Mühe und das veranschaulichen 🙂
    LG

  2. Hallo,
    auch ich habe diese “Trilogie” (vielleicht kommt ja noch mehr?) gerade erst entdeckt und muss gestehen, dass ich an einige Punkte noch nicht gedacht habe. Ich bin mir relativ sicher, dass viele hochfavorisierte Caches eigentlich nicht 100% den Richtlinien entsprechen bzw. auch dadurch zu einem Ärgernis werden, dass sich die Suchenden teilweise wie Rindviecher verhalten (siehe Waldgebiete).

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