Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 02

Die Jagd

[Anm.: Dieser Beitrag ist Teil einer Beitragsserie, die HIER erläutert wurde.]

„Jäger schießen Tiere tot.“ – Ja. Auch. Aber das ist nichts, was Schlachter nicht auch tun – Tiere töten. Der Rehrücken, das Hirschgoulasch und der Wildschweinbraten im lokalen Restaurant stammen vielfach aus den heimischen Wäldern.

Im BJagdG ist in §1 klar dargelegt, dass mit dem Jagdrecht auch die Pflicht zur Hege von Wild verbunden ist. So beschreibt Abs. 2:

„Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen; auf Grund anderer Vorschriften bestehende gleichartige Verpflichtungen bleiben unberührt. Die Hege muß so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden.“

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Muffelwild

Das bedeutet, der Jäger hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten; Pflichten, die wesentlich zeitintensiver sind, als der Abschuss eines Tieres und zudem noch mit Kosten verbunden sind.

[Anm.: „Jäger“ steht in diesem Text als Synonym für alle an der Jagd und Hege  Beteiligten.]

Kurz gesagt hat der Jäger dafür zu sorgen, dass er einen artenreichen gesunden Wildbestand hat, keine Überpopulationen auftreten und das Wild keinen übermäßigen Wildschaden bei Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft anrichtet. Dabei muss er Schon-, Setz-, Brut- und Jagdzeiten beachten, die zur Ausübung der Jagd nur bestimmte Zeitfenster zulassen. Sollte es dennoch zu Wildschäden kommen, was regelmäßig passiert, ist er nach § 29 BJagdG schadensersatzpflichtig und kann seitens der Behörden sogar die Auflage bekommen, innerhalb einer bestimmten Frist den Wildbestand in bestimmtem Umfang zu dezimieren (§ 27 BJagdG).

Wenn es durch Witterung oder Katastrophen zu Äsungsmangel (Nahrungsmangel) kommt, hat er für eine angemessene Notfütterung zu sorgen.

Verständlich, dass der Jäger unbegeistert ist, wenn der Erholungssuchende ihm dabei die Arbeit erschwert oder sie sogar verhindert.

[Anm.: Übrigens stellt die absichtliche Behinderung des berechtigte Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen oder Fangen von Wild in NRW eine Ordnungswidrigkeit nach § 55 LJG-NRW dar]

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Wildschwein mit Frischlingen

Schwarzwild (Wildschweine) vermehrt sich stark, was eine intensive Bejagung zur Folge hat, da es sich sonst ggf. auf Feldern und Äckern gütlich tut. Der Ausspruch „die haben gehaust wie die Wildschweine“ kommt nicht von ungefähr. Dort „brechen“ (wühlen) sie den Boden auf und fressen Wurzeln, Kartoffeln, Pilze, Mäuse und was sie sonst noch finden. Derartige Schäden müssen, wie erwähnt, ersetzt werden. Darum ist man i.d.R. bemüht, die Population in Grenzen zu halten. Schwarzwild darf übrigens auch in der Nacht erlegt werden, was immer wieder Konflikte mit Nachtcachern mit sich bringt.

Da sitzt der Jäger auf dem “An-/Hochsitz”, blickt in Richtung “Kirrung” und wartet auf die Rotte. Der Wind steht günstig, er kann sie bereits riechen, da bemerkt er eine Bewegung am Rande der Dickung. Er legt an und blickt gespannt durch sein Zielfernrohr. Ein dunkles Schemen ragt über den Busch hinaus. Der Jäger legt angespannt den Finger auf den Abzug. In diesem Moment richtet sich der Schatten auf  – Ein Mensch!

Der geneigte Leser möge sich bitte vorstellen, welch Schreck dem Jäger in die Glieder fährt; der Mensch hinter dem Busch hat hingegen keine Ahnung, in welcher Gefahr er sich Sekunden vorher befunden hat.

Diese Situation gibt es öfter, als man denkt. Die Person hinter dem Busch kann ein Kind, ein Pilzsucher, …, aber auch ein Geocacher sein.

Mit Sicherheit möchte niemand einen Jagdunfall erleben oder verantworten müssen! Ein Großteil der Jäger, mit denen ich auf der Messe Jagd & Hund gesprochen habe teilt diese Sorge. Ich empfehle daher in Eurem eigenen Interesse dringlichst, folgende Punkte beim Cachen in der Dämmerung/Nacht in Wald und Flur zu beachten:

  • Tragt IMMER eine eingeschaltete Kopflampe
  • Achtet auf Hoch-/Ansitze/Ansitzleitern und leuchtet kurz in deren Richtung (Bitte nicht direkt anleuchten! Jäger verwenden oftmals Restlichtverstärker (Nachtsichtgeräte) zum beobachten – diese sind jedoch nicht als Zieloptik erlaubt.)
  • Das Tragen einer Warnweste ist nicht ausreichend, da nachts weder die Warnfarbe erkennbar ist noch die Reflexstreifen wegen Lichtmangels reflektieren!

Wo sich das Wild aufhält, habe ich im ersten Teil erläutert. Hier beschreibe ich nun die häufigsten jagdlichen Einrichtungen, die sich meist in der Nähe der Stellen befinden, wo das Wild sich früher oder später einfindet.

Jagdliche Einrichtungen

Genereller Hinweis: Das Betreten/Beklettern/Verändern jagdlicher Einrichtungen ist Unbefugten nicht gestattet.

Hochsitz/Hochstand/Ansitz/Kanzel

Hier hält sich der Jäger viele Stunden im Jahr auf; meist, um Wild ungestört zu beobachten und Erkenntnisse über das Wildvorkommen zu gewinnen. Einige Male wird er von dort auch schießen.

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Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • er oftmals von Jägern frequentiert wird
  • sich hier in Sicht- und Schussweite i.d.R. Wild einfindet
  • sich Einstände, Äsungsflächen oder Kirrungen in der Nähe befinden

 

Kirrung/Kirre

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Röhre mit Lockmittel

Hierbei handelt es sich um eine Bejagungshilfe. Das Wild wird mit Futtermitteln angelockt.

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Kirrung mit Hochsitz und Lockfutterfass
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Angekettetes Lockfutterfass

Diese Methode wird fast ausschließlich bei der Schwarzwildjagd verwendet; häufig befindet sich dort ein Salzleckstein auf einem abgesägten Baumstumpf und vereinzelt auch eine Suhle.

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Aber auch “Nichtschweine” wissen einen Leckstein (oben)  zu schätzen.

Dieser Ort ist für eine Dose oder eine Station ungeeignet, weil:

  • er häufig vom Jäger beobachtet wird
  • sich hier regelmäßig Wild einfindet
  • das Wild nicht gestört/vertrieben werden soll
  • eine dort befindliche Dose wahrscheinlich vom Schwarzwild gefunden, zerlegt und in der Umgebung verteilt werden wird.

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[Anm.: Gerade Schwarzkittel haben ein äußerst feines Näschen (Trüffelschwein) und finden neben unerlaubten (!) Duftstoffen in der Dose (Parfum/Lotionen/Proben/Hundeleckerli/Nahrungsmittel) zuweilen auch Weichmacher des Dosenmaterials interessant.]

  • dort möglicherweise geschossen (!) wird
  • niemand plötzlich auf eine Rotte Schwarzwild mit Frischlingen treffen möchte

Fallen

Zuweilen findet man im Revier auch die unterschiedlichsten Fallenvarianten.

Neulich hat tatsächlich jemand aus Unwissenheit eine Dose in eine Lebend-Rohrfalle gesteckt.

Ungünstig sind diese Orte, weil sie zum einerseits durch hinterlassene Gerüche die erfolgreiche Fallenjagd verhindern, andererseits aber auch potentiell gefährlich für die Sucher sind. Niemand möchte versehentlich in eine getarnte Totschlagfalle greifen, treten oder sein Kind oder seinen Hund darin sehen!

Also: Unbekannte Installationen im Wald und deren größeres Umfeld sind im eigenen Interesse und dem der Suchenden für Caches oder Stationen tabu!

Futterplätze

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Wildfütterung mit Salzleckstein

… dienen, wie der Name schon sagt,  der Fütterung. Gefüttert wird i. d. R. im strengen Winter (Notzeit), wenn das Wild nicht mehr ausreichend Nahrung findet. Zuweilen verhindert eine gezielte Fütterung aber auch Wildschäden an z. B. Neupflanzungen.

Hauptproblem: Abgesehen vom direkten Wildkontakt und einer möglicherweise daraus resultierenden Fluchtreaktion hinterlassen Menschen und deren Hunde (wie andere Tiere) nicht nur visuelle Spuren, sondern auch ihre Witterung. So können z. B. Hunde Fährten folgen. Wild hat ähnlich gute Nasen. Der übermäßige Besuch dieser Orte mit immer neuen Witterungen kann das Wild „vergrämen“; es meidet ggf. zukünftig diesen Ort und weicht u. U. in ein anderes Revier oder z. B. die Neupflanzung aus.

Nebenproblem: Ein Jäger kann sehr wohl menschliche von tierischen Suchspuren unterscheiden. Nicht umsonst nennt man sie in Dosensucherkreisen liebevoll „Grünmuggel“. Er wird die Dose finden und nicht begeistert sein!

[Anm.: Grünmuggel – Person, die sich im Revier auskennt und jede Dose ohne GPS findet.]

Bei Hinweisen auf nachträglich vorgefundene Installationen sollte umgehend gehandelt werden.

[Anm.: Vielleicht liegt der Cache/die Station schon seit Jahren unbehelligt vor Ort. Plötzlich wird in unmittelbarer Nähe ein/e Hochsitz/Kirrung/Falle/Futterstelle angelegt. In diesem Fall sollte der Cache/die Station möglichst. unter Einbeziehung des Jägers verlegt werden.

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[Anm.: Handlungsbedarf besteht auch bei Anlage von Äsungsflächen oder Neupflanzungen auf ehemaligen Windbruchflächen, falls sich dort ein Cache befindet.]

Was sonst noch beachtenswert ist

Totes Wild darf nicht mitgenommen und sollte auch tunlichst nicht berührt werden (Tollwut/Fuchsbandwurm/etc.)!!! Auch sollte man seinen Vierbeiner nicht daran lassen, denn selbst wenn er geimpft ist, kann er beim nächsten „Kuscheln/Streicheln“ die Erreger auf den Menschen übertragen. Sinnvoll ist es jedoch, den Fund  dem Förster/Hegering oder der Kreisjägerschaft zu melden, um ggf. die Ausbreitung von Krankheiten/Seuchen zu vermeiden.

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Verendeter Fuchs
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Verwesender Fuchs

Geweihstücke (abgeworfene Stangen) sind ebenfalls keine Souvenirs; die Aneignung ist Diebstahl; zu entnehmen dem BJagdG §1 Abs. 5:

 „Das Recht zur Aneignung von Wild umfaßt auch die ausschließliche Befugnis, krankes oder verendetes Wild, Fallwild und Abwurfstangen sowie die Eier von Federwild sich anzueignen.“

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Abwurfstangen Hirsch (groß), Rehbock (klein)

Ferner sind in NRW z.B. folgende Abschnitte des Landesjagdgesetzes beachtenswert:

  • Ordnungswidrig handelt, wer absichtlich das berechtigte Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen oder Fangen von Wild behindert. (§ 55 Abs. 1)
  • Ordnungswidrig handelt ferner, wer vorsätzlich oder fahrlässig Hunde oder Katzen, die ihm gehören oder seiner Aufsicht unterstehen, in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt laufen läßt (§ 55 Abs. 2)
  • Ordnungswidrigkeiten nach § 55 können mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden (§ 56 Abs. 2).

Es gibt in Wald und Flur also einiges zu beachten. Nicht nur aus diesem Grund empfehle ich, vor Auslage eines Caches den zuständigen Förster oder Jagdausübungsberechtigten hinzu zu ziehen. Das vermeidet im Vorfeld Ärger und garantiert einen schnellen Informationsfluss, wenn sich Gegebenheiten ändern.

Informative Links

Regionalforstämter NRW

Kreisjägerschaften und Hegeringe NRW via Landesjagdverband NRW

Mit dem Hund durch die Natur – Wichtige Regeln in Wald und Feld (Broschüre des LJV-NRW

Wir können nicht erwarten, dass Jäger, Förster und Waldbauern unserer Freizeitbeschäftigung Toleranz entgegen bringen, wenn wir nicht bereit sind, Ihre Seite zu tolerieren.

In diesem Sinne wünscht viel Spaß im Wald

1 Gedanke zu “Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 02

  1. Alles ok – aber kann man den Teil mit den Rehgeweihen nicht mal streichen – oder zumindest mal aus dem Fokus nehmen? Das ist m.E. einfach nur lächerlich. Kein Schwein 🙂 geht in den Wald und sammelt systematisch Abwurfstangen auf – und an welche zu kommen, die aufhebenswert sind bzw in Jägers Vitrine einen Blickfang darstellen würden, dürfte statistisch gesehen für den Normalwanderer wohl eh nicht vorkommen. Aber dem Kind kann man seinen Spaß am zufällig gefundenen Krickel oder Sauzahn doch lassen. Vielleicht wirds ja dann auch ein Jäger.

    Und die Aufzählung:

    -keine Wild/Jagdstörung
    -keine freilaufenden Haustier
    -Krickel gehören dem Jäger

    Allein von der Wertigkeit und dem damit verknüpften Naturschaden ist das bizarr – Du sollst keine Bank überfallen und dich nicht auf den Tisch setzen 🙂

    Ich hab sicher schon 20 Geweihe hergeschenkt, weggeschmissen, verbastelt usw – und hab aus Vorbesitz noch ne Kiste – in der Tat ist es schwieriger, die Teile loszukriegen als geschenkt zu bekommen.

    Ich denke, das ist einfach noch von früher – aber das Pochen darauf ist für den Normalbürger eher befremdend.

    Ist aber zugestandenerweise nicht das Hauptthema Deines Aufsatzes.

    Gruß Zappo

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