Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 01

[Anm.: Dieser Beitrag ist Teil einer Beitragsserie, die HIER erläutert wurde.]

Dass der umsichtige Geocacher sich im Naturschutzgebiet ausschließlich auf den ausgewiesenen Wegen bewegt, sollte klar sein. Den 08-15-Wald darf er hingegen betreten, sofern er sich an gewisse Spielregeln hält. Für Nutzer der Plattform Geocaching.com gilt primär die „Richtline“ (Guideline), die wiederum darauf verweist, dass alle lokalen Gesetze und Vorschriften einzuhalten sind.

Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt an der Dosensuche im Wald ist nun, dass zum einen Wild beunruhigt oder gestört und zum anderen die notwendige Jagdausübung behindert wird…

Wild, wild lebende Tiere und Pflanzen

Als Wild bezeichnet man lt. Bundesjagdgesetz „wildlebende Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen“; eine Liste findet man in §2 BJagdG. Das bedeutet auch: „Wild“ ist eine Teilmenge der „wildlebenden Tierarten“. Achtung: Die Länder können auch weitere Tiere dem Jagdrecht unterstellen.

Obwohl der Jäger nun primär sein Augenmerk auf das eher überschaubare “Wild” richtet, ist für ihn und den Naturschützer aber auch der Artenschutz interessant. Die Bundesartenschutzverordnung listet in Anlage 1 den Schutzstatus wild lebender Tier- und Pflanzenarten auf. Auch hier sind die Länder nach §17 unter bestimmten Voraussetzungen befugt,  Ausnahmen zuzulassen.

Für den Cacher sind im Zusammenhang mit wildlebenden Tieren folgende Absätze von besonderer Relevanz:

Lt. BNatSchG § 39 Abs. 1 (Stand: 29.07.2009) ist es verboten:

  1. wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
  2. wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten,
  3. Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu
  4. beeinträchtigen oder zu zerstören.

BJagdG, § 19a Beunruhigen von Wild

„Verboten ist, Wild, insbesondere soweit es in seinem Bestand gefährdet oder bedroht ist, unbefugt an seinen Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören. Die Länder können für bestimmtes Wild Ausnahmen zulassen.”

Kurz und knapp:

  • Lebens-, Zufluchts-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten von Wild sind tabu.
  • Wild lebende Tiere sind in Ruhe zu lassen und auch nicht zu beunruhigen.
  • Wild lebende Pflanzen dürfen nicht verwüstet werden.
  • Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen dürfen weder zerstört noch beeinträchtigt werden.

Der umsichtige naturverbundene Cacher hat, wie eigentlich jedermann, folglich alle Handlungen zu unterlassen, die obigen Punkten entgegenstehen. Sinnvollerweise berücksichtigt er bei der Dosenauslage den vernünftigerweise vorhersehbaren Suchschaden und legt seine Dose/Runde so, dass auch der unwissende Cacher nicht Gefahr läuft, gegen obige Punkte zu verstoßen. Dazu sollte er allerdings wissen, was Lebens-, Zufluchts-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten sind und damit befasst sich dieser Beitrag.

Lebens-, Zufluchts-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten

Nist- und Brutstätten

Nester, Nistkästen, Gelege (Orte, wo Eier liegen) und ihre nähere Umgebung sind für Caches ungeeignet. Die nähere Umgebung deshalb, weil einerseits die Genauigkeit der Koordinaten zuweilen suboptimal ist und zum anderen ähnliche Gebilde als Caches verwendet werden.

Nistkasten-Fake
Nistkasten-Fake

Wenn sich z. B. an den oder in der Nähe der ermittelten Koordinaten ein Nistkasten befindet, kann man davon ausgehen, dass Cacher die Station/Dose im Nistkasten vermuten. Einige werden hineinsehen/greifen; so geschehen bei einer Nisthilfe unter einer Brücke. Da nützt es auch nicht, im Tradi-Listing darauf hinzuweisen, da dies von den meisten erfahrungsgemäß nicht gelesen wird.

Röhricht-/Schilfgürtel an Gewässern sind gefährdete Lebensräume und Brutgebiete vieler Lebewesen (Vögel und Amphibien) und sollten ebenfalls unbedost bleiben.

Hohle Bäume im Wald eignen sich i.d.R. auch nicht für die Platzierung, da dort Eulen nisten können. So ist es mir leider selbst passiert, dass ich einen Cache in einem hohlen Baum heben wollte und dabei eine Eule aufscheuchte. Das Brutgeschäft beginnt nämlich bei fast allen Eulenarten verhältnismäßig früh im Jahr, teilweise im März, beim Waldkauz oft schon im Februar. Der Owner hat den Cache übrigens sofort nach meiner diesbezüglichen Email deaktiviert.  Allerdings benutzen auch andere Vögel Baumhöhlen.

Specht
Specht
Nisthöhlen
Nisthöhlen

Löcher in Bodennähe bis in ca. 50 cm Höhe werden erfahrungsgemäß auch von Kröten als Heimstatt gewählt.

Dickungen

Dickung
Dickung

… sind Einstände für vielerlei Wild. Es verbringt dort den Tag. Dickung nennt man einen jungen (Baum-) Bestand, wenn seine Äste und Zweige ein geschlossenes Kronendach bilden und bis tief zum Boden reichen. Sobald die Äste und Zweige im unteren Bereich absterben und wegbrechen (natürliche Astreinigung) endet die sogenannte “Dickungsphase”.

Hute-(=Hüte)bäume

Hutebaum
Hutebaum

… sind große Solitärbäume auf Wiesen/Weiden. Sie dienen dem Vieh als Unterstand bei Unwetter und spenden Schatten in der Hitze. Abgesehen davon, dass der Landwirt von der Dose nicht begeistert sein wird, werden Caches im Boden-/Wurzelbereich des Baumes vom Vieh zusammengetreten.

Felswände/-hänge insb. in alten ungenutzten Steinbrüchen

… sind Nistplätze für Eulen und Greifvögel. Auch sind sie (wie dortige Geröll-/Steinhaufen am Boden) Lebensstätten für Amphibien wie z. B. Eidechsen. Die von der Sonne aufgeheizten Felswände spenden den wechselwarmen Tieren lang anhaltende Wärme.

Salamander
Feuersalamander

Um sie zu erhalten hilft übrigens zuweilen auch eine isolierende Dose wenn es kühler wird. Derartige vielfach seit Jahrzehnten unberührte Orte bilden oftmals wichtige Rückzugsgebiete und Biotope/Ökosysteme für bedrohte/geschützte/streng geschützte Tierarten, weil sich diese Lebewesen dort ungestört ansiedeln konnten.

Felswand
Freistehende Felsformation

Gut versteckte Caches in solchen Steinbrüchen sorgen in Zusammenhang mit GPS-Ungenauigkeiten und sinnlosen oder fehlenden Hinweisen erfahrungsgemäß dafür, dass ein besonderer Lebensraum, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat, nach Durchlauf der ersten 20 – 50 Cacher möglicherweise verwüstet ist.

Höhlen, Stollen, Erdkeller oder ähnliche Räume (sofern nicht touristisch erschlossen)…

Fledermaus
Fledermaus

… sind Lebensräume von Amphibien, Insekten und Fledertieren. Gerade im Winterschlaf dürfen Fledermäuse nicht gestört werden, da ihr Metabolismus auf Sparflamme läuft. Werden sie gestört und flüchten, verbrauchen sie u. U. bei einem Flug bis zu 30% ihrer Fettreserven, worauf sie den Winter nicht überleben. Der Fledermausschutz besteht vom 1. Oktober bis zum 31. März; das Aufsuchen derartiger Orte ist in dieser Zeit verboten. In Rheinlandpfalz ist das Geocachen in und um Höhlen, Stollen, Kellern und Bunkern mittlerweile ganzjährig verboten.

Es ist zudem nicht sinnvoll, Dosen und Stationen in die Nähe von offenen Eingängen zu legen, da zu erwarten ist, dass Naturschutzgedanken und Vernunft bei einigen Besuchern der Neugier, Abenteuerlust und dem Tatendrang erliegen. Leider!

Soweit zu Teil 1. Ich denke, die wichtigsten Punkte sind genannt und hoffe, dass sie für den ein oder anderen hilfreich sind/waren.

In Teil 2 befasse ich mich mit jagdlichen Einrichtungen und Aspekten.

Bis dahin wünscht viel Spaß bein Suchen und Verstecken

2 Gedanken zu “Stelle ungeeignet – Konfliktvermeidung für Geocacher – Teil 01

Schreibe einen Kommentar

Spam-Check - Bitte löse die Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.