Tote in der Höhle

Haloa!

Wie habt Ihr denn Euer Wochenende verbracht? Vielleicht bei der Suche einer Dose bei herrlichstem Wetter in einer tiefgefrorenen Schneelandschaft? Das wäre zumindest meine erste Wahl gewesen, wenn, ja wenn sich nicht etwas anderes ergeben hätte. In meinem Fall war es die Gelegenheit eines außergewöhnlichen Höhlenbesuchs…

Ein kalter Samstag Abend im Januar. Im Land herrschen Minustemperaturen, denn auch tagsüber klettert das Thermometer kaum über die Null-Gradmarke.
Trotz Fledermausschutzzeit öffnete ich die Blechtür am Eingang der Heinrichshöhle und trat in den beleuchteten Gang, denn es handelte sich um eine Schauhöhle, die ganzjährig begangen werden darf. Im Winter ist sie vermutlich nicht ganz so gut besucht, wie in den Sommermonaten. So folgte ich dem beleuchteten Gang abwärts, passierte ein offenes Stahlgitter und wandte mich nach links. Der Schotter knirschte unter meinen Schuhen. Langsam hob sich die Decke und einige Meter weiter öffneten sich die Wände in einen spärlich beleuchteten größeren Hohlraum.

In einem großen Oval angeordnet standen Klapptische in der Mitte und Stühle an ihren Außenseiten. Der eine oder andere Stuhl war schon besetzt. Ich suchte mir einen freien Platz, legte meine Sitzunterlage ab und stellte Teelicht und Namensschild auf den Tisch. Und während ich unter anderem ein paar Knochenhaufen hinter mir fotografierte, füllte sich der Raum mit weiteren Teilnehmern, größtenteils Geocachern.

Einige Zeit später saßen wir im großen Oval. Ein jeder hatte seine Kerze entzündet und der Spielleiter verteilte Karten, d.h. Charaktere, bevor es Nacht wurde, in Düsterwald, wo Werwölfe ihr Unwesen treiben und die Scheiterhaufen brennen…

Da ist sie auch schon, die Auflösung; wir spielten „Werwölfe von Düsterwald“. Aber warum hier? Anlässlich der Nacht der Werwölfe auf dem Ebberg ergab es sich, dass die Familie zu einem Spielabend eingeladen wurde, der für ein ausgewähltes Klientel einmal pro Jahr im besonderen Ambiente dieser Höhle stattfindet. Letztes Jahr konnten wir dieser Einladung bedauerlicherweise nicht folgen, doch erhielten wir zu unserer Freude eine erneute Einladung für dieses Jahr.

Selbstverständlich funktionierte das Ganze nicht ohne besondere Verhaltensregeln, denn schließlich befand man sich in einem Natur- und Bodendenkmal. So war zum Beispiel das Einbringen von Speisen und Getränken (außer Wasser) untersagt und man durfte sich ausschließlich im beleuchteten Teil der Höhle, d. h. der Kammer und dem Weg dorthin, frei und ohne Begleitung eines Höhlenführers bewegen. Zum Essen, Trinken, Aufwärmen und anderen Bedürfnissen stand Pausierenden oder „Toten“ das Höhlenhaus zur Verfügung.

Wie es sich der geneigte Leser sicherlich denken kann, überlässt niemand einer Gruppe Spieler diese Höhle auf Treu und Glauben. Wären unsere Höhlenführer nicht selbst Geocacher und Düsterwald-Spieler, hätte sich diese Möglichkeit vermutlich nicht aufgetan. Deshalb ergaben sich zwischen den Spielen für Interessierte zudem Möglichkeiten zu einer spannenden, lehrreichen Führung durch den Schauteil der Höhle in quasi eine andere Zeit. Funkelnde Stalagmiten, Einschlüsse und Knochen faszinierten den Besucher und wer gut aufpasste oder fragte, hatte am Schluss sogar die Lösungen für den Earthcache parat. Ich hatte mit Erlaubnis versucht, den einen oder anderen Eindruck fotografisch einzufangen, dennoch können die nachfolgenden Fotos die Seheindrücke vor Ort nur unzureichend vermitteln, weshalb ich jedem Interessierten den persönlichen Besuch der Höhle nur wärmstens ans Herz legen möchte.

Oberster Nackenwirbel eines Höhlenbären

Irgendwann um drei Uhr herum, das Zeitgefühl war trügerisch, verlagerten wir den Spielort ins Höhlenhaus. Einige Spieler hatten die Runde schon vor Stunden verlassen und andere wollten zu diesem Zeitpunkt aufbrechen. Der ideale Zeitpunkt aufzuräumen, wie wir fanden, denn Karten, Lichter, Sitzauflagen und Tische mussten hinausgetragen und letztere außerhalb des Geländes verladen werden. Lediglich die Stühle wurden zusammen- und beiseite gestellt; in diesem Raum der Höhle finden auch andere Veranstaltungen wie z. B. Gottesdienste statt.

Elf waren wir noch für die letzten Runden im Höhlenhaus. Der warme Ofen, der eine oder andere Rest vom Buffet (jeder hatte etwas mitgebracht) ließ uns müde werden und dennoch hatten wir eine Menge Spaß. Es war nach sechs, als wir aufräumten. Mit als letzte verließen wir das besenreine Höhlenhaus. Vor mir lagen noch eineinhalb Stunden Fahrt; doch auch die Orga war noch ein Weilchen mit der Feinreinigung beschäftigt.

Wir fanden das Auto dick mit Raureif bedeckt vor. So dauerte es noch, bis wir loskamen. Als ich die Autobahn erreichte, zeigte sich am Horizont der erste rote Streifen; darüber hellte sich das Nachthimmelblau auf. Der Morgenhimmel versprach einen herrlichen Tag, während ich in den Sonnenaufgang fuhr. Ich hatte Düsterwald überlebt und die Familie im Fahrzeug schlief bereits…

TJ.

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