Kurt 1: Ein anstrengender Tag

Jeder kennt einen Kurt und jeder ist schon einmal einem begegnet. Es ist ein Typ von Geocacher, der das Hobby auf SEINE eigene Weise betreibt. Das führt hier und da mal zu Kopfschütteln und verständnislosen Blicken.
Vielleicht kommen euch in der folgenden Geschichte Begebenheiten bekant vor und habt sie selbst mit “eurem” Kurt erlebt.

Heute ist mal wieder ein anstrengender Tag. Es ist früh am Morgen. Die Kaffeemaschine blubbert vor sich hin, da vibriert das Telefon. Ein Publish. Hmmm komplett entgegen meines Arbeitswegs. Egal, das schaffe ich. Also den Kaffee herunter gestürzt und ab ins Auto.

Und wie sollte es anders sein? Nur Schnarchnasen auf der Straße. Da muss man schon einmal ein Überholverbot ignorieren, um als erster an der Dose zu sein. Bei der Geschwindigkeit ist es auch gar nicht so einfach, das Listing während der Fahrt zu lesen. Aber wer liest schon ein Listing? Wird komplett überbewertet. Noch 40 Meter bis zum Cache. Wo kann ich hier in der Kurve parken? Egal, einfach auf den Seitenstreifen. Dauert ja nicht lange. Ha! Keine Menschenseele weit und breit. Der FTF ist mein.

Wo ist nun die Dose? Das Telefon zeigt auf einmal 60 Meter an. Doofe Technik. Aber erst einmal über den Graben gespringen und dann weiter Richtung Norden. Da war ein Weg auf der Karte. Der macht aber einen großen Bogen. Dafür hab ich jetzt keine Zeit. Ab durch die Büsche. Na toll. Die Büsche sind keine Büsche sondern Farne. Und meine Hose ist nun klitschnass, da es hier wohl letzte Nacht geregnet hatte. Danke Owner, dass ich mich vor der Arbeit noch einmal umziehen muss. Noch 10 Meter bis zur Dose. Da vorne ist der Weg, den ich auf der Karte gesehen hatte. Na dann wird es einfach. Wird wieder so ein billiger +1 am Weg werden. Da steht auch ein Baum. Treffer! Wo ist nun die Dose? Zwischen den Wurzeln? Da ist überall Moos. Glaubt der Owner ernsthaft, dass er mich mit so einem Versteck beeindrucken kann? Unter dieser Matte? Nichts. Vielleicht unter dieser? Wieder nichts. Jetzt bin ich einmal komplett um den Baum herum und jede Wurzel liegt frei. Trotzdem keine Dose in der Hand. Was soll das? Wo ist diese Drecksdose? Laut Karte muss das Ding hier sein. Ich werde wahnsinnig. Gleich kommen bestimmt noch andere Cacher und dann war es das mit dem FTF. Gibt es einen Hint im Listing? Da steht “schau gen Himmel”. Na toll! Da ist der Petling 30 cm über mir in einer Astgabel. Danke Owner. Hättest du auch gleich sagen können. Eine halbe Stunde für nichts und wieder nichts vertan. Und zu spät bin ich jetzt auch dran. Das wird Ärger auf der Arbeit geben. Wenigstens ist das Logbuch jungfräulich. FTF! Jetzt aber schnell nach Hause und die Hose wechseln. Warum passt das Logbuch nicht mehr in den Petling? Und bist du nicht willig so brauche ich Gewalt. Was nicht passt wird passend gemacht. Mit etwas Quetschen geht der Deckel wieder zu. Die Hose ist eh schon nass – also wieder auf direktem Weg zum Auto. Keiner zu sehen. Tja ihr Penner. Diesen FTF könnt ihr mir nicht mehr nehmen. Mist, ich hätte vor 10 Minuten auf der Arbeit sein müssen. Danke Owner!

Mit 30 Minuten Verspätung und einer neuen Hose komme ich auf der Arbeit an. Glücklicherweise hatte der Chef nichts mitbekommen. Erst einmal logge ich den letzten FTF und checke Mails. Heute Abend Event? Das passt sich doch. Auf dem Weg dahin könnte ich noch ein paar Ratehaken von der Liste einsammeln, die mir der “Eine” rüber geschoben hatte. Perfekt. Jetzt muss ich nur noch den Tag rumbringen. Aber ich kann mir ja schon einmal während des Wartens auf den Feierabend eine Route überlegen, wie ich so viele wie möglich von den Dosen anfahren kann. Die, bei denen es ein Fußweg von mehr als 300 Metern bis zur Dose ist, fliegen gleich aus der Planung. Für sowas ist einfach keine Zeit. So landen 20 Caches auf meinem Telefon, die ich vor dem Event anfahren will. Geil! Sogar zwei D5er von der Liste sind dabei. Das verbessert die Statistik wieder. Da geh ich mal besser zum Chef, um ihm zu sagen, dass ich heute noch einen Zahnarzttermin hätte und deshalb früher gehen muss. Sonst kann ich die 20 Dosen vergessen. Der Depp wünscht mir sogar gute Besserung. Wenn er wüsste, wie viele Rätsel ich schon während der Arbeitszeit gelöst hatte. Was für ein Idiot!

Also Feierabend und ab ins Auto. Schon am Anfang der Liste kommt ein Déjà-vu. Wie heute Morgen. Was soll der ganze Quatsch mit den Schlössern vor den Dosen? Was sollen diese komischen Figuren in dem Versteck? Das kostet nur unnötig Zeit. So viel Aufwand für ein mickrigen +1.

So passiert das, was ich verhindern wollte. Ich komme zu spät zum Event. Und alle Dosen hatte ich auch nicht gefunden. Drecks-Owner! Als erstes fische ich meinen Stempel heraus und suche das Logbuch. Es gibt keins. Was soll das denn? Warum legt der Owner kein Logbuch aus? Nachdem der Veranstalter gefunden war, gab der nur die knappe Antwort: “Logbuch ist keine Pflicht – wer loggen will, soll halt loggen”. Was für ein Asi. Da hätte ich den Stempel auch zu Hause lassen können. Egal. Punkt ist Punkt. Nachdem ich mir einen Überblick verschafft habe, wer alles da ist, erblicke ich auch die Nervensäge. Der hat irgendwas mit Wald zu tun und quatscht die Leute voll, dass wir bei unserem Hobby doch etwas mehr auf die Natur achten sollen. Spinner! Der hatte mich schon wegen meinem letzten Cache angekackt, weil er sich über die Schrauben aufgeregte, mit dem die Dose am Baum befestigt war. Mal sehen was er heute zum Besten gibt. Cachen im Naturschutzgebiet Blablabla. Hat der keine anderen Sorgen?

ICH: Na Alter, textest du wieder die Leute voll? Von wegen dass wir die Natur kaputt machen?
ER: Auch dir einen guten Abend. Heute Morgen wieder erfolgreich gewesen?
ICH: Häää? Ey stalkst du mich oder was?
ER: Eher weniger. Hatte den Publish gesehen und habe vor dem Event da vorbei geschaut. Da sieht es ja aus, als hätte da eine Horde Wildschweine den Boden umgegraben.
ICH: Keine Ahnung. Bei mir war heute Morgen noch alles okay.
ER: Und? Hast du deinen Cache mit den Schrauben schon umgebaut?
ICH: Ey geh mir nicht auf den Sack. Hast du nichts Besseres zu tun als mich zu nerven?
ER: Also nein?
ICH: Was geht es dich an?
ER: Naja bei dem Cache ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Der Baum wurde beschädigt …
ICH: Und weiter?
ER: Neucacher sollen sich Dosen wie deine nicht als Vorbild nehmen und selbst auf die Idee kommen, Schrauben in die Bäume zu drehen, weil sie denken es wäre okay.
ICH: Jaja blablabla. Der Bäume werden schon nicht wegen den paar Schrauben umfallen.
ER: Umfallen nicht, aber der Baum wird beschädigt. Falls du es noch nicht mitbekommen hast – das nennt sich Sachbeschädigung.
ICH: Alter geh mir nicht auf den Sack.
ER: Okay machen wir es anders. Wo steht dein Auto?
ICH: Was geht es dich an? Was willst du mit meinem Auto?
ER: Ich war vorhin im Baumarkt und hab neue Spax gekauft. Und einen Akkuschrauber müsste ich auch noch im Kofferraum haben.
ICH: Und weiter?
ER: Dann gehen wir mal zu deinem Auto und ich spax dir ein paar Schrauben in die Motorhaube.
ICH: Was willst du? Du fängst dir gleich ein paar ein!
ER: Warum?
ICH: Wenn du mir ein Loch mit einer Schraube in die Haube machst, ruf ich die Polizei und zeig dich an.
ER: Warum? Ich kann dir 20 Schrauben in die Motorhaube drehen und dein Auto fährt ohne Probleme.
ICH: Das ist aber Sachbeschädigung.
ER: Ach und bei deinen Schrauben im Baum ist das was anderes?
ICH: Das kannst du gar nicht vergleichen.
ER: Warum nicht? Der Baum hat auch einen Besitzer. Der findet das bestimmt auch nicht witzig, dass du da Schrauben in seinen Baum drehst.
ICH: Alter du nervst einfach nur. Verpiss dich einfach und lass mich in Ruhe.
ER: Kannst du es nicht verstehen oder willst du es einfach nicht?
ICH: Lass mich einfach in Ruhe und kümmere dich um deinen Scheiss.

Da muss ich weg. Der Penner will Schrauben in MEINE Motorhaube drehen. Der hat sie doch nicht mehr alle. Der soll zurück in seinen Wald laufen und die Fresse halten. Da meine Laune im Keller ist, ist der Abend für mich gelaufen. Ich mach mich auf den Heimweg. Ich muss ja noch die gefunden Dosen und das Event loggen. Im Telefon hatte ich die Caches ja schon als Fund markiert. Jetzt noch schnell einen Log verfassen. Einer muss reichen. Bei den anderen gibt es nur Copy-Paste. Muss reichen. Der Tag war lang genug. Morgen geht die FTF-Jagd weiter.

Kurt hat “seine” Art zu cachen gefunden. Da unser Hobby so facettenreich ist, gibt es auch solche Geocacher. Wie man sein Verhalten bewertet, sei an dieser Stelle jedem selbst überlassen.

2 Gedanken zu “Kurt 1: Ein anstrengender Tag

  1. Der Kurt kommt in der Tat sehr weit herum im Geoland, der ist auch in meiner Hood unterwegs. Interessant fand ich den Einblick in Kurts Gedankenwelt, denn bisher war ich davon ausgegangen, dass Kurt eher der Machertyp ist, der gar nicht weiter als bis “nach mir die Sintflut” denkt, Hauptsache ICH habe den Cache gefunden…
    Allerdings kann man den Kurts, von denen es allzuviele gibt, leicht Einhalt gebieten. Kurt läuft – wie im Artikel angedeutet – nämlich nicht gerne weiter als ein paar hundert Meter, die Dosen mitten Walde sind schon mal sicher vor ihm, wenn es dort keine Straßen gibt.
    Auch eine hinreichend große Dose mit einem präzisen Hint/Spoiler verhindert das Umpflügen des GZs, eben weil auch der kurtigste Kurt das Teil sofort findet.
    Wer als Owner einen Petling an irgendeinem x-beliebigen Baum mit Nullhint in die Erde rammt, darf sich nicht wundern, wenn das Gebiet nach ein paar Wochen wie eine Wildschweinsuhle aussieht.

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