Kollateralcachen

Haloa!

Kennt Ihr Mehrstationencaches auch Multis genannt?
Nun, ich meine jetzt nicht die, die nur diesen Namen tragen, weil sie mehr als eine Station besitzen.
Ich meine auch nicht die, wo man eine Plakette mit Koordinaten findet und dann noch eine und noch eine und danach am Ziel ist.
Die, wo man hier etwas abliest und dort etwas abzählt und dann etwas rechnet und ans Finale gelangt, meine ich auch nicht.

Ich meine vielmehr die, die durch handwerklich aufwändige Stationen glänzen, deren Aufgaben vor Kreativität sprühen, aber niemals unfair sind; die, an die man sich erinnert, ins Schwärmen gerät und von denen man auf jedem Stammtisch spricht (ohne zu Spoilern).
Habt ihr schon einmal so einen gefunden?

Ich schon. Und nicht nur einen.
Da haben die Besitzer nachgedacht – stundenlang. Sie haben sich ein Konzept überlegt, Aufgaben erstellt, an der Umsetzung gefeilt und danach Stunde um Stunde in der Werkstatt verbracht und gebastelt, gewerkelt und gebaut.

Sextant

Und als sie sahen, dass es gut war, haben sie es in die Welt getragen und zum Suchen freigegeben.

Als dann der erste fündig wurde und loggte, und die Besitzer lasen, wie wohlgeraten ihr Werk doch sei, waren sie glücklich und freuten sich, ob ihres Werkes. Und weil die Suchenden diesen Werken Respekt zollten, sie pfleglich und sorgsam behandelten, als wäre es ihr Eigentum, überdauerten sie die Jahre und ihrer viele fanden daran Gefallen.

Sind diese Zeiten vorbei?

Wenn ich zuweilen diese Urgesteine des Geocaching treffe, höre ich zunehmend von erhöhtem Wartungsaufwand und spüre die Verärgerung und die Resignation der Cachebesitzer. Vielleicht werden derartige Caches in Konsequenz bald gänzlich verschwunden sein.

Natürlich, je mehr Suchende, desto mehr Wartung ist erforderlich. Zettel müssen nachgelegt werden, Verschleißteile erneuert – so denkt man – ist doch normal.

Leider ist das gar nicht das gravierende Problem. “Zerstörung” heißt vielmehr das Zauberwort.
Nicht nur, dass das Umfeld der Station oftmals ausschaut, als wäre eine Horde Wildschweine vor Ort gewesen, nein, selbst Stationen, die stabil genug ausgeführt waren, um Grobmotorikern und/oder Kraftprotzen und/oder Nichtdenkern zu trotzen werden z. T. irreparabel beschädigt.

Und zwar vorsätzlich! Die Finaldose aus Metall ist mit einem Schloss gesichert. Sie wurde bereits mehrfach aufgehebelt, Scharniere ausgerissen, fast irreparabel beschädigt. Dies an einem Ort, wo es nur Dosensucher gewesen sein können.

Wer tut so etwas und warum?
Ist es Faulheit oder Frustration weil ein Hinweis übersehen wurde und man weder Lust hat, zurück zu gehen noch einen Telefonjoker parat hat, aber der Punkt jetzt erzielt werden muss, weil ein Wiederkommen indiskutabel ist?
Geschieht es aus Unvermögen oder Frustration heraus, den Öffnungsmechanismus zu erkennen?
Liegt es an der “Zeit-ist-Geld-Mentalität”, d.h. werden Beschädigungen, weil es schnell gehen muss, als Kollateralschäden billigend in Kauf genommen?
Oder ist es einfach nur der Mangel an Intelligenz, zu bemerken, dass ein kaltes Plastikdöslein keinen draufgeworfenen 20kg-Tarnstein risslos wegsteckt?

Fragen über Fragen.

Jedem kann ein Missgeschick passieren. Niemand ist fehlerfrei, aber gebietet es nicht der Anstand, mit dem Owner Kontakt aufzunehmen und die Beschädigung einzuge- und ggf. sogar dafür geradezustehen?

Machen sich solche “Zerstörer” Gedanken darüber, welche Motive der Cacheleger hatte, nämlich dem Suchenden nicht nur einen banalen Punkt sondern vielmehr ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren?

Wenn
Der letzte Lost-Place geschlossen,
der letzte T5 verboten
und der letzte Multi verschwunden ist,
werdet ihr merken,
dass man sich auf den PET-Punkt nichts einbilden kann.

In diesem Sinne wünscht sich mehr RESPEKT vor und pfleglicheren Umgang mit den Werken anderer

TJ.

Soweit zu meinem Wunsch aus der Vergangenheit; ich veröffentlichte diesen Beitrag zum ersten Mal im März 2011.

Mittlerweile sind mehr als 5 Jahre vergangen; Zeit, zurück zu blicken.

Viele der „Urgesteine“ von damals haben resigniert aufgegeben; ihre Caches sind größtenteils archiviert, einige davon unwiederbringlich verloren.
Warum unwiederbringlich? – Weil sie Altbestandsschutz hatten und mit der heutigen Guideline nicht mehr vereinbar wären. Bedauerlich, aber nicht mehr zu ändern.

Dennoch – es gibt sie noch, alte wie neue kreative Caches, die den Finder Lächeln und Staunen lassen. Euer Verhalten bestimmt mit, wie lange noch. Macht was draus…

Kryptex

 

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