Geocaching – Ommas Sicht

Haloa!

Naturschutzgebiet.
Natur-Schutz-Gebiet.
Gebiet in dem die Natur geschützt werden soll.

Eigentlich.

Die Krux daran ist, dass man sich im NSG so gut erholen kann. Also strömen massenweise „Erholungsbedürftige“ in diese Schutzzonen und stöckeln, radfahren, joggen, hundebespaßen um die Wette.
Damit das Schutzziel dabei nicht aus den Augen verloren wird, darf „jedermann“ das NSG nur auf den „offiziellen Wegen“ betreten; Wege, die entweder befestigt oder durch Wegkennzeichnungen oder Kartenwerke ausgewiesen sind.

Eigentlich.

Uneigentlich jedoch…
sind viele NSGs von einem Netz aus Pfaden durchzogen; illegale Pfade wohlgemerkt, die teil- und möglicherweise von einem bestimmten Klientel benutzt werden dürfen, aber eben nicht von „jedermann“. Nur ist das jedermann nicht klar, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Pfad und seitdem jedermann heutzutage Dosen sucht, ist fast jeder Pfad auch ein Problem.

„Die Dose liegt am Weg.“
„     Das ist kein offizieller Weg.“
„Klar ist das ein Weg.“
„     Nein, ein Pfad.“
„Pfad, Weg, Papperlapapp. Wenn man nicht daher gehen dürfte, wäre er ja gar nicht da…“
„     Der Pfad ist aber nicht offiziell.“
„Steht da aber nicht.“
„     Muss es auch nicht, denn wir befinden uns im NSG.“
„Und das ist trotzdem ein Weg.“
.     *seufz*

Ist es potentielle Rechthaberei, Minderbemittelung, Ignoranz oder einfach mangelnde Bildung?
Sind Regeln allein zu wenig?
Muss man um alles, was nicht betreten werden darf, einen unüberwindbaren Zaun bauen?
Mit Schildern?
Und Strom?
Und einer Stacheldrahtkrone?
Und vorgelagertem Minenfeld?
Selbstverständlich mit einem dem Minenfeld vorgelagerten Zaun und Schildern, damit sich keiner versehentlich verletzt!?
Und alles nur, damit auch der letzte Deppix* versteht, dass er dort nichts verloren hat?

Fragen über Fragen, also fragt man einfach mal die Omma.

*) Ein Deppix ist übrigens ein Depp, eine Deppin oder ggf. etwas ganz anderes. Die Endung „ix“ zur diskriminierungsfreien Egalisation der unaufhaltsam grassierenden Genderitis, erstmalig gehört bei einer Veranstaltung von Herrn Nuhr, hat sich auch hier als überaus praktisch erwiesen. Danke an dieser Stelle.

Ungeachtet der Frage, warum überhaupt Dosen in Naturschutzgebieten liegen müssen, erzählt man Omma beispielhaft von einer von Deppixs Dosen im NSG:

„Für die Suche müssen die offiziellen Wege zu keiner Zeit verlassen werden, hat D. ins Listing geschrieben. Also zumindest weder die Wege noch die Pfade, quasi, denn bis auf die letzen zehn Meter stimmt das auch. Der bedoste hohle Baum steht allerdings nur indirekt am Pfad. Die Eule, der der Baum die letzten Jahre als Brutstätte diente, wird dieses Jahr darum keine Nachkommen haben. Aber was D. nicht weiß, macht D. nicht heiß, zumal D. solche Kleinigkeiten auch nicht wirklich interessieren. D.s primäres Interesse gilt seiner Dose und den diesbezüglichen Funden und Logs; dabei heiligt der Zweck die Mittel und solange man das nicht hinterfragt, ist ja alles ok. Falls doch und/oder man D.s doch eher großzügige Auslegung der Regeln bemängelt, wird zunächst episch darüber diskutiert und sollte das keinen Erfolg haben, auf eine Alternativplattform ausgewichen, eine, wie die immer sagen, ohne „Aufpasser“ und „Blockwarte“.

Deppixe eben – kein Einzelfall.

„Du kannst nicht immer alle über einen Kamm scheren“, pflegt Omma dann zu sagen.

   „Tja, Omma, Du kennst Deppixe nicht. Denen kannst Du nichts vermitteln. Erklär’ denen mal, wieso die Hundixe ihre „Dattutnixe“ überall auf Pfaden und daneben frei wühlen lassen können, wie die Wildschweine das auch immer tun, aber zwei Meter neben dem Hauptweg der PETling am Baum das Schutzgebiet verletzt.
Oder warum der Harvester der Forstixe im weichen Boden lange Kleinbiotope zurücklassen und beim Rücken stehende Bäume beschädigen darf, aber ein AngelPETling am Ast verboten ist, weil man den Baum beschädigen „könnte“.
Oder dass Erholung suchende Stöckler gruppenweise lärmend an der Tannenschonung vorbeiziehen dürfen, aber ein Dösken am Rand das Wild beunruhigt.
Du kannst das versuchen, Omma, aber sie werden es nicht verstehen. Die halten Dich für bekloppt!“

„Kann ja sein, aber das ist keine Entschuldigung!“

Omma weiß wohl, dass die Hunde angeleint sein müssen, wenn sie nicht auf den Wegen bleiben und dass Wildschweine im NSG mehr dürfen, als Menschen.
Omma weiß auch, dass es Sondererlaubnisse für Forstarbeiten gibt.
Omma weiß zwar nicht, wie man Informationen aus Fotos extrahiert oder was „Brainfuck“ ist, aber dafür die wichtigen Dinge, z. B. den Unterschied zwischen „Mein“ und „Dein. Sie kennt sich mit Forst-, Land- und Viehwirtschaft, Schlachten, Kochen und Backen aus. Sie kann Nähen, Stricken und Stopfen.
Omma war zwar „nur“ auf der Volksschule, hat aber Lebenserfahrung und gesunden Menschenverstand.
Omma kann Regeln akzeptieren, denn sie hat Zeiten mitgemacht, in denen es keine Regeln gab. Darum versteht Omma nicht, warum Fremd- oder Allgemeineigentum beschädigt werden muss, um ein Dösken mit Logstreifen verstecken zu können.

„Euch geht’s viel zu gut“, sagt Omma immer.

„Anstatt euch zu freuen, genug Freizeit zu haben, wisst ihr nicht, wie ihr sie totschlagen sollt. Dann ist euch langweilig, darum kauft Ihr euch Zeug, was ihr nicht braucht, um Sachen zu tun, die ihr nicht müsst, auf Eigentum wo ihr’s nicht dürft. Das nennt ihr Geokätsching, brüstet euch mit Naturverbundenheit, seid aber respektlos und macht alles rücksichtslos kaputt. Weil ihr nicht wisst, wie das ist, nichts zu haben, könnt ihr nicht schätzen, was ihr habt!
Ihr zahlt Geld fürs Sportstudio und Sportklamotten, um Fit zu werden, kauft Biozeug, um Gesund zu bleiben, hockt stundenlang vor dem Computer und verfahrt literweise Sprit um extrem umweltschädlich naturverbunden Tupperdosen gegen Langeweile zu suchen.
Warum geht ihr nicht einfach raus in den Garten, pflanzt was, kümmert euch, erntet was? Da seid ihr an der frischen Luft, habt Natur, Bewegung, Sport umsonst und obendrein Bioobst und -Gemüse fürs Jahr. Kostet fast nix, nur Zeit und Arbeit, Euch ist nicht langweilig und Abends seid ihr müde und könnt gut schlafen.“

Ich wollte darauf zunächst etwas von Abenteuer erwidern, von Spannung, und tollen Orten, an die man geführt wird, doch mein erster Gedanke war eine Filmdose an einer Leitplanke der Einfahrt einer Autobahnraststätte, der zweite eine kükenlose Eule und der dritte ein Feld zertretener Wurzeln und umgedrehter Steine. So blieb ich stumm, denn im Grunde meines Herzens wusste ich, Omma hatte recht.

TJ.

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