Entwurf Landesnaturschutzgesetz NRW

Haloa!

Obwohl wir uns ausgiebig im Podcast über dieses Thema unterhalten haben, habe ich es hier nochmals kurz zusammengefasst; verständlicherweise steht nicht jedem der Sinn nach 104 Minuten Geschwafel aus Dosenhausen, zumal man letzteres weder ausdrucken und textmarkern kann…

Das Betretungsrecht bleibt! – zumindest war das die vielzitierte Quintessenz eines Tweets von Eigengott bzgl. eines Entwurfs des (kommenden) Landesnaturschutzgesetzes NRW, welches das momentan geltende Landschaftsgesetz ablösen soll.

Das bedeutet lt. Gesetzesentwurf, dass in der freien Landschaft das Betreten der privaten Wege und Pfade, der Wirtschaftswege sowie der Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen und anderer landwirtschaftlich nicht genutzter Flächen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr gestattet ist, soweit sich nicht aus den Bestimmungen des entsprechenden Kapitels oder aus anderen Rechtsvorschriften Abweichungen ergeben.
Für das Betreten des Waldes gelten die Vorschriften des Forstrechts.
Anm.: Betreten ist nicht Befahren!

Aber ist das schon alles? – Nicht wirklich, denn es gibt noch weitere wissenwerte Passagen, die, wie ich finde, auch den einen oder anderen Geocacher interessieren sollten.

Biotope
Der Biotopverbund (Netz räumlich oder funktional verbundener Biotope) soll von derzeit 10 auf 15% der Landesfläche ausgeweitet werden, was nicht nur Auswirkungen auf die Platzierung zukünftiger Dosen haben wird sondern auch Einfluss auf bestehende Dosen haben kann. Einen ‘Altbestandsschutz’ für Caches gibt es in Biotop und NSG verständlicherweise nicht, da es sich nicht um eine Geocachingrichtlinie sondern um ein lokales Gesetz handelt. „Meine Dose war schon Jahre vor dem Biotop da!“ wird im Zweifelsfall als Argument nicht genügen.

Zu den gesetzlich geschützten Biotopen gehören u. a. ‘natürliche Felsbildungen’ sowie in Zukunft auch ‘Streuobstbestände’.
So werden künftig auch natürliche Felsbildungen (natürliche, durch Verwitterungsprozesse entstandene Felsen) unter den gesetzlichen Biotopschutz fallen. Zu den Felsbildungen zählen Felswände, Felsköpfe, Felsbänder und Felsspalten aus basenhaltigem oder silikatischem Gestein. Sie weisen in der Regel eine typische Felsvegetation aus Farnen, Moos- und Flechten, aber auch aus niederwüchsigen Gräsern und Kräutern auf. Wesentliche Gefährdungsursachen sind Gesteinsabbau und Freizeitaktivitäten (Trittschäden). Der gesetzliche Schutz bezieht sich dabei nicht nur auf die offenen Felsbildungen, sondern auch auf die Felsbildungen im Wald.
Anm.: Ausgenommen sind zwar vom Menschen gemachte (‘rezent anthropogen entstandene’) Felsbildungen (Steinbrüche), doch können diese im Einzelfall trotzdem unter Schutz gestellt werden (weil dort z. B. Greifvögel nisten).

Baumschutzsatzungen
Eine beliebte Frage der Reviewer zu Baumklettercaches ist, ob die Bestimmungen der örtlichen Baumschutzsatzung eingehalten wurden und vielfach wurde sie seitens der Owner zunächst damit beantwortet, dass keine existiert. Das soll sich zukünftig ändern, weil die bestehende Kann-Vorschrift zu einer Soll-Vorschrift umgewandelt wird, da vor dem Hintergrund des Klimawandels städtisches Grün in Ballungsräumen als von herausragender Bedeutung angesehen wird.

Sicherung europäischer Vogelschutzgebiete
Alle Veränderungen und Störungen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines Europäischen Vogelschutzgebiets nach entsprechendem Absatz in den für die Erhaltungsziele oder den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteilen führen können, sind verboten. Insbesondere ist in den Europäischen Vogelschutzgebieten verboten
– Horst- und Höhlenbäume zu fällen und
– während der Brutzeit vom 1. März bis 31. Juli Hunde unangeleint zu lassen.

Unter diesem Aspekt sollte sich der Geocacher fragen, ob die Dose im hohlen Baum es wert ist, ggf. eine Nist-/Brutstätte einer bedrohten Art (z.B. Eule) zu zerstören.

Nisthöhlen
Nisthöhlen

Bei den unteren Naturschutzbehörden können Gebietskarten im Maßstab 1:5000 eingesehen werden, wo sich die betroffenen Gebiete befinden.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass alle Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale, geschützte Landschaftsbestandteile und geschützte Biotope in Verzeichnisse einzutragen sind, die nicht nur bei der unteren Naturschutzbehörde geführt werden sondern auch für jede Person zur Einsicht bereitzuhalten sind.

Ordnungsgemäße Forstwirtschaft
Als gesetzliche Zielvorstellung beinhaltet das BNatSchG den Aufbau naturnaher Wälder. Diese sind insbesondere durch einen ausreichenden Anteil von Alt- und Totholz gekennzeichnet, was vom Gesetzentwurf aufgegriffen wird. Stehendes Totholz spielt bei der Erhaltung der Artenvielfalt im Wald eine sehr wichtige Rolle, weil tote Bäume und sogenannte Dürrständer zahlreiche Funktionen als Habitat, Nahrungsquelle, Nistgelegenheit, Rückzugsgebiet, Sitzwarte usw. aufweisen. Auch verschiedenste Insekten nutzen sie als Lebensraum, darunter viele Trockenheit und Wärme liebende Arten. Das Vorkommen höhlenbrütender Arten ist insbesondere vom Stammdurchmesser abhängig. Ein dicker Stamm kann einer größeren Anzahl Arten als Brutort dienen und dies über eine längeren Zeitraum hinweg. Dürrständer sind zudem im wahrsten Sinne des Wortes “lebende Vorratskammern” für Vögel und Säugetiere, die sich von den zahlreichen im Totholz heranwachsenden Insekten ernähren; Eulen und Greifvögel nutzen das stehende Totholz gerne als Ansitz. Viele der in und an Totholz lebenden Tierarten sind gefährdet, weshalb der Erhalt von Totholz Teil einer multifunktionalen Forstwirtschaft darstellt.Dürrständer

Das bedeutet für den Geocacher, dass seine Dosen an stehendem Totholz nichts verloren haben und er das Argument „aber es ist doch kein lebender Baum“ an dieser Stelle vergessen sollte.
Dieser Ansicht war kürzlich auch eine zuständige Behörde, die auf Nachfrage eines Cachers bezüglich einer Erlaubnis für einen Cache im NSG erklärte, dass sich der Cache nicht nur unmittelbar am Weg befinden müsse, sondern sich zudem auch weder in Baum oder Asthölen noch in Totholz befinden dürfe.

Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang zudem die Bußgelder für Ordnungswidrigkeiten und Straftaten und die Möglichkeit des Einzugs von damit in Zusammenhang stehenden Gegenständen.

Man wird zukünftig also noch ein bisschen mehr auf die Natur achten müssen, was generell ja nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, dass wir nur die eine haben.

Link zum Gesetzentwurf

Weitere erfahrungsgemäß für’s Geocaching ungeeigneten Stellen findet Ihr hier im Blog in der Rubrik „Stelle Ungeeignet“.

TJ.

… der nochmals darauf hinweist, dass er kein Jurist ist und daher lediglich sein ganz persönliches Rechtsverständnis mitteilt.

3 Gedanken zu “Entwurf Landesnaturschutzgesetz NRW

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