Baumhöhlen und Ignoranz

Baumhöhlen und Ignoranz

Haloa!

Vor wenigen Tagen lockte mich eine Zwitschernachricht auf eine Listingseite bzw. deren Logs.

Die Kurzfassung: Der Owner hatte seine Dose in eine Baumhöhle gelegt, ein Reviewer prangerte das an, archivierte deaktivierte den Cache, weil sich in angemessener Zeit nichts tat und bat den Owner, sich ein geeigneteres Versteck zu suchen. Daraufhin monierte der Owner, dass er doch schon erläutert hätte, dass es dort niemals brütende Vögel gesehen habe und erklärte, dass er auf Grund dieser Archivierung nun diesen und alle seine anderen Caches archivieren wolle.

Eine weise Entscheidung, wie ich finde, denn uneinsichtige Dosenleger bringen das Hobby nicht wirklich weiter, geben mir jedoch den aktuellen Anlass, nochmals kurz auf das Thema Baumhöhlen und Totholz einzugehen.

Vor einiger Zeit habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Totholz zukünftig einen besonderen Status in der Waldwirtschaft erlangen könnte und dann definitiv als Versteckmöglichkeit für Caches ausfällt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es nicht jetzt schon für die Platzierung von Dosen ungeeignet ist.

Nennt es voreilenden Gehorsam, doch ich würde meine Caches verlegen (sofern sie sich an solchen Orten befänden), bevor das neue LNatSchG NRW verabschiedet wird, um einer Archivierung zuvorzukommen.

Der eine oder andere Leser wird jetzt möglicherweise unverständig den Kopf schütteln, schließlich gibt es doch den Bestandsschutz.

Ja, den gibt es, wobei es sich lediglich um eine Geocaching-Spielregel handelt, die sich auf andere Geocaching-Spielregeln bezieht und somit selbstverständlich kein geltendes Recht aushebeln kann (was hier zum Ausdruck kommt).

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Zurück zum Thema.
Baumhöhlen dienen vielen Arten als Nist- und Brutstätten. Das können z.B. Vögel (Spechte, Eulen) aber auch Fledermäuse sein, wie das Bundesamt für Naturschutz u.a. den “Naturdetektiven” erklärt.

Das Bundesamt für Umwelt der Schweizerischen Eidgenossenschaft hat hierzu einen, lesenswerten Artikel verfasst, der wiederum auf ein etwas älteres (1992) aber nicht minder informatives PDF des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht von Rheinland-Pfalz verlinkt.

Und auch der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen geht im Bereich ‘Verhalten im Wald – Geocaching’ auf Baumhöhlen ein und erklärt: „ Meidet Wohnstätten von Vögeln und Fledermäusen (z. B. Höhlenbäume) “.

Ein Thema, welches ebenfalls vom Bundesamt für Naturschutz aufbereitet wurde. Unter  “NaturSportInfo: Geocaching” bzw. “NaturSportInfo: Wälder” wird erläutert:

Dies kann zur Belastung dieser oftmals sensiblen Lebensräume von Pflanzen und Tieren führen. Belastungen können beispielsweise auftreten, wenn Caches abseits von Wegen ausgelegt werden, wenn Spieler zu Nachtzeiten unterwegs sind (Nachtcaches) oder Caches in von Tieren bewohnten Höhlen (besonders Baumhöhlen) versteckt werden.

Das Verstecken von Geocaches in Baumhöhlen ist im Regelfall zu unterlassen, da diese oft als Fortpflanzungs- oder Ruhestätte von baumbrütenden Arten (z. B. Spechte, Meisen, Fledermäuse) genutzt werden. Dies gilt auch dann, wenn die Baumhöhlen scheinbar nicht besetzt sind. Die Bewohner könnten ausgeflogen sein, oder die Höhle wird bald wieder besetzt. Höhlen bzw. Baumhöhlen sind relativ selten.

Waldfledermäuse brauchen Baumhöhlen (Fäulnis- und Spechthöhlen), Holzrisse oder abgeplatzte Borke, um überleben zu können. Als Winterquartier nutzen sie, sofern sie keine Felsen o.ä. außerhalb des Waldes aufsuchen, nur Höhlen in Bäumen, die dick genug sind und eine ausreichende Isolation gegen die Kälte garantieren.

Quelle:Bundesamt für Naturschutz

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Fazit:

Baumhöhlen, Höhlenbäume und Totholz sind, wie bereits hier in der Rubrik “Ungeeignet” erläutert,  für Geocaches ungeeignet. Und auch wenn eine Baumhöhle augenscheinlich gerade unbewohnt ist, ist sie dennoch eine potentielle Wohnstatt für geschützte oder sogar gefährdete Arten; Tiere die gemäß der Guideline bei der Ausübung von Geocaching nicht geschädigt werden sollen.

Merke: Auch wenn das Loch im Baum oder der hohle Baum noch so reizt: Gebt der Kreatur den Vorrang.

TJ.

2016-11-04 – Änderung: Wie Eigengott richtig stellte, wurde das Listing seitens des Reviewers nicht archiviert sondern deaktiviert.  /TJ.

3 Gedanken zu “Baumhöhlen und Ignoranz

  1. Eine schöne Zusammenstellung von Infos über Baumhöhlen und warum diese als Geocache-Verstecke ungeeignet sind.

    Kleine Anmerkung: Das Listing wurde nicht archiviert sondern nur deaktiviert, mit der Bitte ein neues, geeignetes Versteck zu wählen.

  2. Diese Versteckmöglichkleit kann gar nicht oft genug angeprangert werden. Mein Beispiel ist vielleicht nicht ganz so toll, zeigt aber den Sinn, bzw. Unsinn auf: Unweit Hamburg sucht ich eine Filmdose, die sich in einem kleinen Baumloch befand. Kaum tastete ich an der Dose, als auf einmal eine Hummel aus dem Loch hervorkam und mich recht schmerzhaft in die Stirn (!) stach.
    Dass Hummeln nicht stechen, kann somit ins Reich der Fabel verwiesen werden. Fazit: Selbst kleinste Baumhöhlen sind keine Cacheverstecke.

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