Andere Länder – andere Sitten und der 2. Besuch

Jeder (naja die meisten) entwickelt sich weiter. Der Horizont verändert sich. So auch bei der Dosensuche.

Am Osterwochenende hatten wir einen Cacher zu Besuch. Neben dem Mega-Event standen auch ein paar Dosen auf der ToDo-Liste. Wir hatten ihm eine Liste an Mysterie-Dosen gegeben (die wir schon gefunden hatten), die er bis zu seinem Besuch brav lösen musste. Stolz zeigte er uns vor der Runde seine Ergebnisse und so konnten wir losgehen. Die erste Ernüchterung kam für unseren Gastcacher, als er sah welche Wege man im Siebengebirge für eine einzige Dose zurücklegen muss. Willkommen im Naturpark Siebengebirge. Als besondere Herausforderung hatten wir z.B. die Serien “Mathematisches Pleistal” und “Sozilogisches Hanfbachtal” mit auf die Rätselliste gepackt. Zwei Serien, die trotz PKW noch einige Meter Fußmarsch erfordern.
Donnerstagabend also eine kleine Multi-Einstimmungsrunde zum warm werden und währenddessen die Route für den Freitag besprochen. Es sollten so viele wie möglich gelöste Rätseldosen gehoben werden. Somit war klar, dass der Freitag ein sportlicher Tag wird.
Freitagmorgen Ausrüstung, Listings und Verpflegung im Cachemobile verstaut und los ging es. Hatte ich erwähnt, dass die Strecken etwas länger sind im Siebengebirge und auf der Liste kein einziger Drive-In dabei war? 😉 Die Strecken variierten zwischen 500m und 2000m pro Dose. Und so machten wir Meter um Meter. Unser Gastcacher wunderte sich, dass die Owner hier solche Strecken für die Wartung auf sich nehmen. In seiner Homezone machen es sich die Owner einfacher und die Distanzen für die Wartung nicht so groß wären. Tja. Andere Länder – andere Sitten. So gingen wir uns von Dose zu Dose (naja Gastcacher voraus und wir hinterher – man will ihm ja nicht den Spaß des Findens nehmen) und genossen die Aussicht im Sonnenschein. Nach 12 Stunden war die Liste abgearbeitet und der Gastcacher ausgepumpt aber glücklich.

Die meisten Dosen auf der Liste besuchten wir somit zum zweiten Mal. Im Nachhinein hätte wir das lieber sein lassen sollen. Denn viele Dosen, über die wir uns „FRÜHER“ (ja ich weiß, dass wir noch nicht so lange dabei sind um das Wort zu benutzen, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein) gefreut hatten, erscheinen heute in einem ganz anderen Licht. Man entwickelt sich weiter und am Anfang ist die Lernkurve ja noch recht steil. Mit dem Wissen und Erfahrungen von heute, hätten wir die Dosen nicht so euphorisch loggen dürfen. Gut ein Drittel liegt abseits der Wege. Muss das in einem Naturschutz- bzw. Landschaftsschutzgebiet sein? Wir glauben nicht.
Auf der anderen Seite stellt sich auch die Frage, wenn eine Dose schon mehrere Jahre 10m abseits des Weges liegt und über 200 Mal gefunden wurde – warum hat da nie jemand etwas in den Logs darüber geschrieben? Eine Erklärung (die sogar uns einleuchtet) ist auf jeden Fall die Entwicklung des Geocachings. Als das Geocaching noch nicht so populär war, wurden die Dosen mit langen Wegstrecken vielleicht 3-5 Mal im Monat angegangen. Somit war die Belastung für die Natur sehr gering. Heutzutage hat sich das Cacher-Aufkommen mehr als verzehnfacht. Zudem suchen heute sehr viele Menschen nicht mehr mit den Augen, sondern mit den Händen. Dementsprechend sehen dann auch die Areale um die Final-Koordinaten aus als hätte eine Granate eingeschlagen. Der halbe Wald wird umgegraben, kleine Bäume platt getreten oder abgebrochen. Von den Hinterlassenschaften einiger Cacher wollen wir hier erst gar nicht reden.
Was soll man jetzt machen? Dem Owner eine Nachricht schicken um im Zweifelsfall sein Nestbeschmutzer-Image weiter pflegen (wie man das macht wissen wir spätestens seit unserem ersten SBA). Oder hält man die Klappe und lässt alles so weiter laufen wie bisher? Diese Frage beantworten wir für uns mit einem NEIN! Wenn sich nicht bald etwas ändert, bekommen wir bei unserem geliebten Hobby bald ernsthafte Probleme. Die ersten Konsequenzen sehen wir schon heute. Förster, Kommunen und Landbesitzer lassen von Groundspeak die Dosen von kompletten Landstrichen löschen. In Rheinland-Pfalz ist das Betreten von Höhlen komplett verboten worden. Wie geht es weiter? Wie seht ihr das?

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