GIFF 2016 – Dosenkino

Haloa!

Der eine oder andere Leser hat sicherlich nicht nur einem diesjährigen GIFF-Event beigewohnt und das zugehörige Souvenir abgestaubt, sondern hoffentlich auch alle cinematografischen GeoGlanzlicher 2016 gesehen und entsprechend gewürdigt.

So unterschiedlich die persönlichen Vorlieben beim Cachen sind, so unterschiedlich sind nicht nur die Filmgeschmäcker sondern in Einzelfällen die Orte der jeweiligen Aufführung.

Aus (un)verständlichen Gründen kann nicht jede Privatfilmvorstellung in Form eines Events in einem waschechten Kino veranstaltet werden, obwohl dies allemal das ultimative Ambiente darstellt.
Die Vorstellung, sich erst ein (kostenloses) Ticket zu holen, danach für Getränke und Snacks anzustehen und vor dem Einlass mit Gleichgesinnten zu klönen ist ähnlich angenehm, wie gepolsterte Kinositze im Saal. Allüberall rascheln Hände in Popcorntüten, während langsam das Licht herunterdimmt, auf der breiten Leinwand die ersten Bilder erscheinen und Kinderstimmen über das Surroundsystem hallen…

…während irgendwo im Nirgendwo und nicht zwangsläufig zeitgleich unter einer Brücke derselbe Film scheppernden Tones einem ebenfalls souveniraffinen Auditorium auf einem Laptop präsentiert wird.

Die mir entfernungsmäßig nächste Vorstellung befand sich qualitativ irgendwo dazwischen. Sie fand, wie auch schon letztes Jahr, in einer kleinen, unter Geocachern sehr beliebten Lokalität in Wiehl statt und erneut wurden die bewegten Bilder per Beamer auf die Wand projeziert.

p1090592
Im Gegensatz zum letzten Jahr waren die Filmchen „besser“, wie man fand; wenngleich sich einige als nahezu perfekte Werbefilmchen für Geocaching präsentierten und möglicherweise auch nur deshalb die Endausscheidung der letzten 16 erreichten.

Nach der Vorstellung erlaubten wir uns eine kleine freiwillige Umfrage. Jeder Teilnehmer hatte eine Stimme und konnte uns, sofern er wollte, seinen Favoriten nennen.

Das unrepräsentative Ergebnis der Umfrage ist eindeutig:
19 Stimmen für The FTF-Hunter
6 Stimmen für NYC Caching: Muggle Madness
1 Stimme für Geo-Medics
1 Stimme für A Life of a ‘Change’
1 Stimme für „Spitting the dummy“

Herzlichen Glückwunsch, darauf eine „Krautadelle“!

Das The FTF-Hunter die meisten Stimmen erhielt, verwunderte allerdings nicht wirklich, schließlich hat der Film alles, was das ambitionierte Cacherherz begehrt, ist schick gemacht und das Kalkül der Macher (ich unterstelle, der Film war aufs Gewinnen ausgelegt) ging auf.

Was leite ich daraus ab?

1. Die FTF-Jagd ist vielen Zuschauern nicht fremd.

2. Lost-Places und Kanalisation; d.h. Orte mit hoher Anziehungskraft für deren Betreten man erfahrungsgemäß meist keine Erlaubnis erhält, haben eine ungemindert hohe Anziehungskraft.

3. Aufwändige Stationen mit High-Tech-Komponenten (ungeachtet einer schraubenlastigen Anbringung) sowie knackige Rätsel ziehen gepaart mit einer passenden Story favoritenträchtig jeden ambitionierten Erlebniscacher in ihren Bann.

4. Ein Hauch von Erotik verkauft sich als B-Story immer gut, wenngleich sich nicht jedem sofort die subtil un/beabsichtigte Mehrdeutigkeit von FTF- oder STF-Schildchen in Zusammenhang mit Bettszenen offenbart.

5. Wahre Helden reiten nach einer Phase kurzer Selbstzweifel unbeirrt in den Sonnenuntergang, dem nächsten Abenteuer entgegen.

Gegen ein solches Erfolgsrezept konnten Geocaching-Werbefilmchen, bloße Aneinanderreihungen von Lokationen, orchestral untermalte Dosensuchdramatik, jugendliche Wasserfreuden eines Stiftvergessers, Legohubschrauber, übertriebene Stealth-Modi, Vollequipmentherumtrager und dosenperkussive Gruppentherapien zumindest bei den Zuschauern in Wiehl nicht oder nur bedingt punkten, obwohl sie ebenfalls gut gemacht waren und ggf. die eine oder andere Zweit- oder Drittstimme abgeräumt hätten, wenn diese denn zulässig gewesen wäre.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, das mir persönlich die morgendliche FTF-Jagd in Australien am Besten gefallen hat; „Spitting the Dummy“, der Film zum gleichnamigen Cache. Herrlich absurd und sympathisch schadenfreudig.

„Spitting the Dummy“, eine australische Redewendung, beschreibt übrigens den Moment, wenn ein Baby/Kleinkind „den Schnuller ausspuckt“, um sich umgehend lauthals Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Ein Verhalten, was erfahrungsgemäß nicht nur manchem Zweit- oder Drittfinder bekannt sein dürfte, sondern auch jenen, die zwar (ob mit oder ohne Foto) beim Owner um eine Logerlaubnis betteln, sie aber nicht erhalten, weil das Logbuch nicht signiert wurde.

Beizeiten auch ein Filmchen wert, meint

TJ.

Schreibe einen Kommentar

Spam-Check - Bitte löse die Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.