Bombenspaß

Haloa!

Es gibt ein Sprichwort:

„Mögest Du in interessanten Zeiten leben!“

Klingt nett, doch die Zeiten sind mir persönlich derzeit etwas zu interessant. Kriege, Flüchtlingswellen, Terrorismus, Nationale Notstände – von Naturkatastrophen ganz zu schweigen. Obwohl es zu jedem dieser Themen bereits unzählige Filme und Serien gab, die die Zuschauer in der Vergangenheit liebend gern als spannungsgeladene Fiktion konsumierten, spielt die Welt offensichtlich verrückt und lässt zu, dass uns die Fiktion als Wirklichkeit einholt.

Als Kinder spielten wir Schnitzeljagd. Damals dachten wir uns einfache Geschichten aus; waren Cowboys, Indianer, Piraten, Agenten; mit einfachsten Requisiten zwar, aber mit viel Phantasie.

Heute spielen wir das immer noch, satellitengestützt, und suchen in realitätsnahen Geschichten fiktive Serienmörder, Terroristen, Bombenleger, klettern auf Brücken und Bäume, irren durch verlassene Gebäude, Stollen und Höhlen und retten (erlaubt oder unerlaubt) spielerisch die Nation oder die Welt, um uns nachher mit einem TFTC im Logbuch zu verewigen.

Echte Spannung, echter Nervenkitzel, echtes Adrenalin, teuerstes Equipment und das alles draußen und nicht vor der Konsole oder Glotze.

Nun, es gibt zwar auch diese Leitplankenmikros, Wandercaches und Tüdeldosen, Kraftpfade, Aussichtspunkttradis und wie sie alle heißen, aber so richtige Knaller sind das nicht.
Anders die Superstoryspezialmultis der üblich verdächtigen Knallerdosenleger. Wenn Du weltrettungstechnisch die Bombe suchst, dann wirst Du nach unzähligen Rätsellösungen, körperlichen Anstrengungen und Entbehrungen schließlich auch eine finden. Ein PETling zum Schluss würde das ganze Erlebnis ruinieren und so liegt irgendwo auf Fremdeigentum oder im öffentlichen Raum ein Behälter herum, hübsch dekoriert mit bunten Drähten und vorzugsweise einem Zählwerk, das seinen Countdown startet, sobald sich jemand nähert.

Da das herunterzählende Bombenimitat jedoch keinen Unterschied zwischen Geocachern und besorgten Bürgern macht, kommt es gerade in interessanten Zeiten wie heute vermehrt zu Einsätzen von Polizei, Bomben- und Kampfmittelräumdienst, wenn ein Owner es mit der realitätsnahen Deko zu gut gemeint hat.

Keine gute Idee, in der Nähe eines Bahnhofs ein mit Endkappen versehenes Metallrohr mit Draht festzurödeln oder eine Dynamitstangenbündelattrappe mit Countdownuhr unter einer Eisen- oder Autobahnbahnbrücke oder gar an einer Binnenschiffahrtsstraße zu positionieren. Auch Kinderknetepakete mit verdrahteten Pappröhrchen wirken ähnlich beunruhigend, wie Kampfmittelattrappen. Im Wald platzierte, kunstbeblutete Körperteile aus dem Horrorshop des Vertrauens, egal ob im Koffer oder im Sack, erwähne ich da nur der Vollständigkeit halber und führe stattdessen ein passenderes Sprichwort an:

„Gut gemeint ist nicht (zwangsläufig) gut gemacht!“

Wenngleich das Kreativitätsprodukt theoretisch auch noch so gut zur Geschichte passen mag, sollte man sich die ernsthafte Frage stellen, wie es praktisch auf Passanten, Zufallsfinder und insbesondere Kinder wirken könnte. Zudem sollte der Ort der Platzierung inklusive der erforderlichen Erlaubnis kritisch hinterfragt werden. Ein harmloses graues Stück Plastikrohr hat, in der Hauptbahnhofshalle angerödelt, zwangsläufig eine ganz andere Außenwirkung als am Ilex mitten im Wald.

Merke:
Gesunder Menschenverstand ist durch nichts zu ersetzen; nicht durch die Liebe zum Detail und erst recht nicht durch die Jagd nach Favoritenpunkten. Sonst kann der vermeintliche Bombenspaß schnell zu einem ernsthaft teuren Vergnügen vor dem Kadi werden – von der Auswirkung schlechter Presse auf unser Hobby einmal ganz abgesehen.

TJ.

Schreibe einen Kommentar

Spam-Check - Bitte löse die Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.